Ägypten sichert in Wirtschaftskrise Währungsreserven ab

Sonntag, 30. Dezember 2012, 12:50 Uhr
 

Kairo (Reuters) - Ägypten sichert in der verschärften Wirtschaftskrise seine schrumpfenden Währungsreserven mit einem zusätzlichen Auktionssystem ab.

Neben regelmäßigen Versteigerungen will die Notenbank mit weiteren Schritten die Nachfrage nach Devisen senken und damit dem Schwund der Währungsreserven einen Riegel vorschieben. Demnach dürfen Unternehmen maximal nur noch 30.000 Dollar in bar pro Tag abheben.

Bei der ersten Auktion am Sonntag veräußerte das Land knapp 75 Millionen Dollar. Das ägyptische Pfund fiel auf ein Rekordtief. Am Donnerstag war die Währung bereits auf ein Acht-Jahres-Tief zum Dollar gefallen.

Banker begrüßten die neuen Währungs-Maßnahmen und sagten, dass es "zum ersten Mal einen wirklich freien Markt gibt". Das ägyptische Pfund werde Angebot und Nachfrage besser widerspiegeln. Das neue System soll neben dem weiter bestehenden Interbanken-Devisenhandel existieren.

KNAPPE RESERVEN

Die Währungsreserven Ägyptens werden knapp. Die Wirtschaft leidet unter den ausbleibenden Touristen und fehlenden ausländischen Investoren. Die Notenbank musste seit Beginn des Aufstandes gegen Husni Mubarak vor knapp zwei Jahren mehr als 20 Milliarden Dollar zur Stützung des ägyptischen Pfundes einsetzen. Am Samstag sendete sie einen Notruf und betonte, die Währungsreserven seien auf ein "kritisches Niveau" gefallen. In einem seltenen Schritt rief die Notenbank dazu auf, nicht gegen das Pfund zu spekulieren. Zuletzt hatten immer mehr Ägypter das ägyptische Pfund in Devisen getauscht - aus Angst, dass die Regierung die Landeswährung abwertet oder Kapitalkontrollen einführt. Im November lagen die Währungsreserven bei rund 15 Milliarden Dollar und damit 60 Prozent tiefer als im Februar 2011.

Trotz der knappen Reserven versicherte die Bank, Ägypten werde weiterhin seine Auslandsschulden und Zinszahlungen bedienen.

KANDIL: RECHNE MIT WIEDERAUFNAHME DER IWF-GESPRÄCHE

Ministerpräsident Hischam Kandil gab sich zuversichtlich, die Gespräche über einen 4,8 Milliarden Dollar Kredit mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) im Januar wiederaufzunehmen. Zunächst war der Kredit bereits im November genehmigt, dann jedoch wegen einer Reihe von Steuererhöhungen gestoppt worden.

Präsident Mohammed Mursi muss sich nach seinem Sieg beim Verfassungsreferendum den Wirtschaftsproblemen zuwenden. In einer Fernsehansprache am Samstag legte er den Fokus auf das bereits Erreichte. Einige Wirtschaftsindikatoren hätten sich bereits verbessert, sagte er, auch, wenn noch große Herausforderungen vor dem Land lägen.

 
An employee counts money in a bank in Cairo, August 27, 2012. REUTERS/Asmaa Waguih (EGYPT - Tags: BUSINESS)