Einzelhandel blickt auf schwächeres Jahr zurück

Freitag, 4. Januar 2013, 15:30 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Einzelhändler haben trotz Rekordbeschäftigung in Deutschland 2012 nicht an das stolze Umsatzwachstum der Vorjahre anknüpfen können.

Die Händler verkauften nach ersten Schätzungen zwischen 1,9 und 2,1 Prozent mehr als 2011, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte. Damit lagen die Zuwächse deutlich niedriger als 2011 und 2010. Der Branchenverband HDE setzt zwar auf Rekordumsätze im Weihnachtsgeschäft, veranschlagt aber für das Gesamtjahr lediglich ein Plus von 1,5 Prozent. Auf 2013 blickt er verhalten optimistisch.

"Wenn die Lage am Arbeitsmarkt so bleibt wie sie ist, gibt es gute Voraussetzungen für einen stabilen Konsum", so HDE-Sprecher Kai Falk. Deutschland hatte 2012 mitten in der weltweiten Konjunkturflaute einen Beschäftigungsrekord erzielt: Fast 41,6 Millionen Menschen waren in Lohn und Brot. Dennoch konnten die Einzelhändler nicht mit ähnlich hohen Umsatzsteigerungen glänzen wie in den Vorjahren, als sie 2,7 beziehungsweise 2,6 Prozent mehr in den Kassen hatten. Die Schätzung von Destatis basiert auf den Einnahmen von Januar bis November 2012, in denen die Händler 2,3 Prozent mehr umsetzten. Zugleich berücksichtigten die Statistiker, dass der Dezember 2012 zwei Verkaufstage weniger hatte als der Vorjahresmonat. "Die Daten zeigen: Der Konsum ist robust", sagte Falk. Insbesondere der Lebensmittelhandel blicke auf ein gutes Jahr zurück, während der relativ kühle Sommer und der milde Winter den Textilhändlern zugesetzt habe.

ERSTES REALES MINUS SEIT 2009

Nüchterner fällt die Bilanz aus, wenn man die um Preissteigerungen bereinigten realen Einnahmen des Einzelhandels 2012 betrachtet: Sie gingen um bis zu 0,3 Prozent zurück - das erste reale Minus seit 2009. Der HDE ist jedoch zuversichtlich, dass der Weihnachtsumsatz um 1,5 Prozent auf das Rekordniveau von 80,4 Milliarden Euro gestiegen ist.

Der November, der die Weihnachtssaison einläutet, lief für den Handel bereits recht passabel: Die Firmen steigerten ihre Umsätze zum Vorjahr und Vormonat jeweils um 1,6 Prozent. Allerdings hatten die Händler im Oktober noch einen Dämpfer hinnehmen müssen. "Die Einzelhandelsdaten unterstützen weiterhin unsere Prognose, dass die Wirtschaft im vierten Quartal geschrumpft ist", sagte Ulrike Rondorf von der Commerzbank. Da passt es ins Bild, dass die Euro-Krise den Verbrauchern zusehends die Kauflaune verdirbt. Das GfK-Konsumklima-Barometer für Januar sank jüngst auf den tiefsten Stand seit Dezember 2011.