IMK: Höhere Löhne in Deutschland würden Europa helfen

Montag, 7. Januar 2013, 16:05 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Deutschland sollte nach Ansicht des IMK-Instituts mit starken Lohnerhöhungen helfen, die Euro-Krise zu lösen.

Die Anstiege sollten künftig deutlich über der durchschnittlichen Gehaltsentwicklung im Währungsraum liegen, forderten die gewerkschaftsnahen Forscher am Montag. "Aus Gründen der europäischen und der deutschen Stabilität dürften es in den nächsten zwei, drei Jahren vier Prozent oder vielleicht sogar etwas mehr sein", sagte IMK-Direktor Gustav Horn in Berlin. Dies sei ein Beitrag zur Stabilisierung der Euro-Zone und "kein Opfer". Denn höhere Einkommen würden die Binnennachfrage ankurbeln. Zudem würden die deutschen Importe steigen und damit die Exportchancen der Krisenstaaten verbessern, sagte Horn.

Langfristig sieht das IMK Spielraum für Lohnerhöhungen um etwa drei Prozent über alle Branchen hinweg. Ein noch stärkeres Plus in den nächsten Jahren würde der guten Wettbewerbsfähigkeit laut Horn kaum schaden, auch wenn man den "einen oder anderen Exportauftrag von außerhalb der Euro-Zone" verliere. Die Unternehmen müssten ihre Gewinnmargen etwas eindampfen.

INDUSTRIE-LOBBY WARNT VOR WETTBEWERBSNACHTEILEN

Der neue Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, hingegen warnte vor stark steigenden Einkommen. Denn gerade die lange moderate Lohnentwicklung habe die Firmen fitter für den internationalen Konkurrenzkampf gemacht. "Wir haben in den letzten Jahren eine hervorragende Wettbewerbsposition in Deutschland erarbeitet." Die Lohnstückkosten seien "hervorragend wettbewerbsfähig", betonte Grillo und mahnte: "Wir müssen aufpassen, dass wir diese Position nicht riskieren."

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sagte dazu nur, er respektiere die Tarifautonomie von Arbeitgebern und Gewerkschaften. Der wirtschaftspolitische Kurs der Bundesregierung sei richtig: Konsolidierung der Haushalte auf der einen Seite und Stärkung der Wettbewerbsposition auf der anderen Seite. Trotz des schwachen Winterquartals zeigte sich der FDP-Chef zuversichtlich für die Konjunktur. "Wir können auch dieses Jahr mit einem robusten Wachstum rechnen", sagte Rösler. Darauf deuteten die Auftragseingänge und die Investitionspläne der Industrie hin. Die Schwäche sei nur vorübergehend. Die Regierung will nächste Woche den Jahreswirtschaftsbericht für 2013 verabschieden. Nach Informationen von Reuters wird sie ihre bisherige Prognose für das Bruttoinlandsprodukt von einem Prozent auf 0,5 bis 0,7 Prozent senken.

Das IMK rechnet mit 0,8 Prozent für 2013. "Das ist keine Katastrophe und keine Rezession, aber auch kein Wert, an dem man sich berauschen kann", sagte Horn. Das IMK bekräftigte seine Forderung an die Euro-Krisenmanager, von einem zu harten Sparkurs auf die Stärkung des Wachstums umzuschwenken. Die Strategie von EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank habe sich als falsch erwiesen, monierte Horn. Eine Belastung sei zudem, wenn die halbe Welt an der gleichen Schraube drehe: "Fast alle Staaten versuchen gleichzeitig zu sparen", sagte Horn. Länder mit fiskalpolitischem Spielraum wie Deutschland müssten vielmehr für Impulse sorgen. Horn plädierte für Investitionen in Bildung oder die ökologische Modernisierung, die über höhere Einkommensteuern bei Spitzenverdienern gegenfinanziert werden sollten.

Zudem stützt das IMK den Vorschlag der Wirtschaftsweisen für einen vorübergehenden Schuldentilgungsfonds in der Euro-Zone. Minister Rösler stellte dazu klar: "Es bleibt beim Nein der Bundesregierung." Am Ende würde es zur Übernahme von Schulden anderer Länder kommen. Das sei rechtlich nicht möglich und sachlich nicht geboten, sagte Rösler. Dadurch würde der Anreiz zurückgehen, die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.