Ökonomen erwarten vorerst keine Zinssenkung der EZB

Montag, 7. Januar 2013, 16:23 Uhr
 

London (Reuters) - Trotz der Wirtschaftsmisere in der Euro-Zone wird die EZB nach Ansicht von Ökonomen ihren Leitzins vorerst nicht kappen.

In einer am Montag veröffentlichten Reuters-Umfrage unter 73 Volkswirten rechneten fast alle Experten damit, dass die Währungshüter den Schlüsselzins am Donnerstag auf dem historischen Tiefstwert von 0,75 Prozent belassen werden. Eine knappe Mehrheit geht zudem davon aus, dass auch in den nächsten Monaten Ruhe an der Zinsfront herrschen wird und eine Senkung erst bis zum Ende des ersten Halbjahres anstehen dürfte.

Die Wirtschaftsleistung der von der Schuldenkrise erschütterten Euro-Zone steckt seit vorigem Jahr in der Rezession. Im Sommer 2012 verringerte sie sich zum Vorquartal um 0,1 Prozent. Die Daten zum vierten Quartal werden erst am 14. Februar veröffentlicht - also eine Woche nach der zweiten Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) in diesem Jahr. Unterschiedliche Signale von führenden EZB-Notenbankern lassen die Ökonomen über den weiteren Kurs rätseln: "Der EZB-Rat ist uneins, der Ausblick ist unsicher", meint Ökonom Alan Clarke von der Scotiabank.

Im Dezember hatte das geldpolitische Entscheidungsgremium bereits eine Senkung erörtert, die Idee aber dann verworfen. Laut Ratsmitglied Jozef Makuch war die Debatte "sehr ernsthaft". Der jüngst ins Direktorium aufgerückte Luxemburger Yves Mersch dämpfte jedoch Erwartungen, dass nun bald eine geldpolitische Lockerung ansteht. Sein deutscher Kollege Jörg Asmussen betont zudem, dass der Leitzins als eigentlich schärfstes Schwert der Notenbank derzeit stumpf geworden sei, da insbesondere in den krisengeplagten Südstaaten der Währungsunion die Übertragung der orthodoxen geldpolitischen Impulse gestört ist.