Erleichterung nach Lockerung von Bank-Liquiditätsregeln

Montag, 7. Januar 2013, 18:23 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Entschärfung der weltweiten Liquiditätsvorschriften für die Kreditwirtschaft sorgt an den Börsen und bei vielen Banken für Erleichterung.

Angeführt von Instituten aus Frankreich und Italien sprang der europäische Banken-Index am Montag um 1,1 Prozent und erreichte zwischenzeitlich den höchsten Stand seit 17 Monaten, während die Börsen insgesamt leicht nachgaben. Die meisten Geldinstitute übersprängen die gesenkten Hürden nun leicht, sagten Analysten. Die Aktien der Deutschen Bank legten um 2,8 Prozent zu, die der Commerzbank sogar um 4,2 Prozent.

Nach Angaben des schwedischen Notenbankchefs Stefan Ingves, der dem Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht vorsitzt, schrumpft die Liquiditätslücke der weltgrößten Banken dank der Lockerung auf rund eine Billion Euro zusammen. Im Schnitt kämen sie nun auf eine kurzfristige Liquiditätsdeckungsquote (LCR) von 125 Prozent. Mit der LCR wollen die Aufseher dafür sorgen, dass Banken in einer Finanzkrise 30 Tage lang nicht das Geld ausgeht, auch wenn ihre Kunden massiv Einlagen abziehen und sich Banken gegenseitig kein Geld mehr leihen. Dafür muss die Kennziffer bei mindestens 100 Prozent liegen. Zuletzt hatte das Aufsichtsgremium eine Lücke von 1,8 Billionen Euro ausgemacht.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sagte, die Aufseher hätten auf Forderungen der EU-Kommission reagiert. Er versprach, die Regeln bis 2015 EU-weit umzusetzen. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger, die Deutschland im Baseler Ausschuss vertritt, sagte, der Kompromiss habe eine globale Einführung der Vorschriften erst ermöglicht. Wichtig sei, dass nun Einigkeit darüber herrsche, dass der Liquiditätspuffer im Krisenfall tatsächlich angetastet werden dürfe. Das begrüßten in einer gemeinsamen Stellungnahme auch die fünf deutschen Bankenverbände. Sie kritisierten aber, dass Staatsanleihen immer noch den Löwenanteil an den Puffer ausmachen sollen. Damit hätten die Banken nur wenig Spielraum, den Puffer ausgewogen aufzufüllen. "Angesichts der aktuellen Lage in Europa fällt es schwer, diese einseitige Präferenz für Staatsanleihen nachzuvollziehen", hieß es in der Stellungnahme.

Banken hatten gewarnt, dass sie die Quote nicht rechtzeitig 2015 erfüllen könnten. Aufseher und Politiker fürchteten, dass die Institute den Aufschwung abwürgen könnten, wenn sie zu viel Liquidität bunkern müssten, statt sie für Kredite zu nutzen. Nach dem Kompromiss im Baseler Ausschuss reicht den Banken 2015 eine LCR von 60 Prozent, erst 2019 müssen es 100 Prozent sein. Zudem wird der Kreis der anrechenbaren Instrumente erweitert. Banken wie Societe Generale, Credit Agricole oder die Commerzbank kommen nun darum herum, sich mit sicheren, aber niedrig verzinsten Staatsanleihen einzudecken, mit denen ihnen zweistellige Milliardensummen an Zinsen entgingen.

Die Aufseher erkennen künftig auch Unternehmensanleihen mit schwächerer Bonität, Hypothekenpapiere und unter Umständen sogar Aktien als Liquiditätspolster an. "Die Krise hat gezeigt, dass sich die Liquidität von Staatsanleihen schnell verändern kann und Unternehmensanleihen und Spareinlagen liquider sind als vieles andere", sagte ein Vertreter einer österreichischen Bank, der nicht genannt werden wollte. "Die Entscheidung erleichtert die Kreditvergabe. Die Banken können sich wieder Kunden widmen." Die vor allem in Osteuropa tätige Raiffeisen Bank International sprach von einem "positiven Signal" aus Basel.

MEHR ENTLASTUNG ALS GEDACHT

Asiatische Banken hatten beklagt, dass es dort gar nicht ausreichend Staatsanleihen und gut bewertete Unternehmens-Bonds bester Qualität gebe. "Die Änderungen führen zu einer deutlicheren Entlastung als erwartet", sagte Daiwa-Kreditanalyst Michael Symonds. "Der pragmatischere Ansatz der Regulierer ist richtig." Als "willkommenes Geschenk in letzter Minute" von den Aufsehern sehen viele Experten vor allem die Einbeziehung der in den USA populären hypothekenbesicherten Wertpapiere (RMBS) in die Liquiditätsreserven. Das werde den Markt für RMBS in Schwung bringen, sagte Simon Hills vom britischen Bankenverband. Auch das Krisenszenario, für das sich die Banken mit der LCR wappnen müssen, wurde entschärft. Damit kann das Polster dünner ausfallen.

Christoph Bast von der DZ Bank schrieb in einer Kurzstudie: "Die meisten deutschen Banken peilen schon 2013 eine LCR von 100 Prozent an. Doch die Verwässerung gibt ihnen Spielraum, Bargeld und Staatsanleihen in renditeträchtigere Anlagen umzuschichten."