Bau erwartet 2013 trotz Immobilienbooms kaum Umsatzplus

Mittwoch, 9. Januar 2013, 14:51 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Trotz florierender Immobiliengeschäfte peilt die deutsche Bauwirtschaft auch im neuen Jahr nur mageres Wachstum an.

Die Umsätze dürften 2013 nominal um zwei Prozent auf knapp 95 Milliarden Euro steigen, wie die Branchenverbände HDB und ZDB am Mittwoch gemeinsam mitteilten. Wegen des erwarteten Preisanstiegs sei dies real eine Stagnation. Im vorigen Jahr stieg der Umsatz nominal um ein Prozent und damit deutlich weniger als ursprünglich mit vier Prozent erhofft.

Zum Vergleich: Im Boomjahr 2011 hatte der Bau noch um mehr als zwölf Prozent zugelegt und vor allem vom anziehenden Immobiliengeschäft profitiert. Denn in der Schuldenkrise setzen Investoren verstärkt auf den Wohnungsmarkt und Privatleute erfüllen sich dank niedriger Zinsen den Traum vom Eigenheim.

"Wachstumsmotor für das Bauhauptgewerbe wird - wie in den Vorjahren - der Wohnungsbau bleiben", sagte der Präsident des mittelständischen ZDB, Hans-Hartwig Loewenstein. Denn trotz der leichten Konjunkturabkühlung hätten immer mehr Menschen einen Job und profitierten von steigenden Einkommen und niedrigen Zinsen. Vom Wohnungsbau verspricht sich die Branche 2013 ein Umsatzplus von 3,5 Prozent, nach fünf Prozent im Vorjahr. Beim Wirtschaftsbau hoffen die Verbände auf ein Prozent mehr Erlöse und setzen vor allem auf Investitionen von Dienstleistern und Logistikfirmen. Im vorigen Jahr lag das Plus bei 1,5 Prozent.

Nach dem Umsatzminus von 4,5 Prozent im öffentlichen Bau 2012 hofft die Branche, dass vor allem die Kommunen wieder mehr investieren. Unterm Strich dürften die Erlöse in dieser Sparte 2013 um 1,5 Prozent steigen. Der Personalaufbau der vergangenen Jahre geht allerdings zu Ende. Stieg die Zahl der Beschäftigten am Bau im Jahresschnitt 2012 um 11.000 auf 745.000, dürfte sie der Branche zufolge in diesem Jahr stagnieren.

BRANCHE WILL KÜNFTIG MIT EINER STIMME SPRECHEN

Beide Verbände wollen zwar nicht fusionieren, aber künftig stärker zusammenarbeiten, um ihren Interessen mehr Gehör zu verschaffen. Dies gelte vor allem für die Lobbyarbeit in Brüssel, da europäische Richtlinien immer wichtiger würden. "Wir werden nicht ausreichend wahrgenommen", klagte Loewenstein. Ein Dorn im Auge ist der Branche etwa die Brüsseler Vorgabe zu Zahlungsbedingungen. Die deutschen Firmen befürchten davon deutliche Verzögerungen, die ihre Liquidität belasten könnten.

Zudem werfen die Verbände Großkonzernen wie Siemens, Alstom und ABB vor, das Recht für die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu Lasten der Baubranche aufzuweichen. "Siemens hat in den AGBs geregelt, dass sie frühestens nach 90 Tagen zahlen", sagte HDB-Hauptgeschäftsführer Michael Knipper. Andernfalls würde der Konzern drei Prozent als Skonto von der Rechnung abziehen. Damit stecke eine Baufirma im Dilemma: "Drei Prozent sind bestenfalls die Umsatzrenditen am Bau", betonte Knipper.

Die Verantwortung für die Verzögerung beim Berliner Großflughafen schoben HDB und ZDB auf die öffentliche Hand. "Wir sind als Bauhauptgewerbe längst fertig, und an unseren Dingen, die wir bauen, wird auch wenig Kritik geübt", sagte HDB-Präsident Thomas Bauer. Wenn die Kompetenzen nicht klar verteilt seien, dürfe man nicht den Baufirmen die Schuld geben. "Das liegt in der Gesamtverantwortung der Steuerung einer solchen Sache." Der ZDB warf der öffentlichen Hand vor, ihre Kompetenz als Bauherr stetig zurückgefahren zu haben.