EZB berät erstmals in diesem Jahr über Leitzins

Donnerstag, 10. Januar 2013, 09:22 Uhr
 

Berlin/Frankfurt (Reuters) - Die EZB ist am Morgen zu ihrer ersten Zinssitzung in diesem Jahr zusammengekommen.

Der Rat um EZB-Chef Mario Draghi muss an diesem Donnerstag darüber entscheiden, ob der historisch niedrige Leitzins von 0,75 Prozent angesichts der Rezession im Euroraum noch angemessen ist. Fast alle von Reuters befragte Experten gehen davon aus, dass die Währungshüter still halten werden. Eine knappe Mehrheit rechnet zudem damit, dass eine Kappung auch in den nächsten Monaten nicht ansteht.

Unterschiedliche Signale von führenden EZB-Notenbankern lassen viele Ökonomen dennoch über den weiteren Kurs rätseln. Im Dezember hatte der Rat bereits eine Senkung erörtert, die Idee aber dann verworfen. Laut dem slowakischen Ratsmitglied Jozef Makuch wurde allerdings "sehr ernsthaft" darüber diskutiert. Der jüngst ins Direktorium aufgerückte Luxemburger Yves Mersch dämpfte jedoch Erwartungen, dass bald eine geldpolitische Lockerung ansteht. Sein deutscher Kollege Jörg Asmussen betont zudem, dass der Leitzins als eigentlich schärfstes Schwert der Notenbank derzeit stumpf geworden sei, da insbesondere an der krisengeplagten Südflanke der Währungsunion die Übertragung der Zinspolitik gestört ist.

SPANIEN WEITER IM FOKUS

Dies gilt auch für Spanien, das eine Flucht unter den Euro-Rettungsschirm nicht ausgeschlossen hat. Denn angesichts der lähmenden Rezession muss das hochverschuldete Land auf dem Kapitalmarkt in diesem Jahr deutlich mehr Geld aufnehmen als 2012 - laut Schuldenagentur eine Herausforderung. Vor diesem Hintergrund gewinnt ein in den kommenden Wochen geplanter Besuch Draghis im spanischen Parlament zusätzliche Brisanz. Auf der für 14.30 Uhr anberaumten EZB-Pressekonferenz nach dem Zinsbeschluss dürfte das Thema Spanien daher erneut größeren Raum einnehmen. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist bereit, schuldengeplagten Ländern mit Stützungskäufen am Kapitalmarkt unter die Arme zu greifen - allerdings nur, wenn sie zuvor unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen.