Wachstum in China so schwach wie seit Jahren nicht

Freitag, 11. Januar 2013, 13:42 Uhr
 

Peking (Reuters) - Chinas Wirtschaft wächst so schwach wie seit 13 Jahren nicht mehr.

Die Wirtschaftsleistung sei im vergangenen Jahr nur um 7,7 Prozent gestiegen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag unter Berufung auf den stellvertretenden Chef der mächtigen Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, Zhang Xiaoqiang. Für das laufende Jahr sei sogar mit einem noch geringerem Anstieg um 7,5 Prozent zu rechnen, sagte Zhang demnach weiter. Analysten hoffen nun auf Anzeichen, dass sich das Blatt wieder wendet. Als Vorbote gilt der unerwartet kräftige Anstieg der Lebenshaltungskosten.

Beobachter sehen in der anziehenden Teuerung ein Anzeichen dafür, dass die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft dank einer zunehmenden Nachfrage im Inland langsam wieder an Fahrt gewinnt. Die Inflation legte angesichts deutlich teurerer Lebensmittel auf 2,5 Prozent zu und erreichte damit den höchsten Stand seit sieben Monaten, wie die Statistiker mitteilten. Von Reuters befragte Analysten hatten nur mit 2,3 Prozent gerechnet. Ein Grund für die höhere Teuerung sei der harte Winter, sagte ein Statistiker: In China ist es derzeit so kalt wie seit 28 Jahren nicht mehr. Das erschwert den Anbau und den Transport von Gemüse und treibe daher dessen Preis in die Höhe. Im gesamten Jahr 2012 stiegen die Verbraucherpreise um 2,6 Prozent. Die Notenbank hat sich ein Inflationsziel von vier Prozent gesetzt.

NOTENBANK KÜNDIGT UMSICHTIGEN KURS AN

In den kommenden Monaten sei zwar mit stärker steigenden Preisen zu rechnen, das sei aber kein Grund zur Besorgnis, sagte Volkswirt Li Huiyong von Shenyin & Wanguo Securities in Shanghai: "Wir gehen davon aus, dass die Inflation 2013 mit ungefähr drei Prozent der Regierung keine großen Sorgen bereitet." Die Notenbank kündigte an, an einer "umsichtigen" Geldpolitik im laufenden Jahr festzuhalten und zugleich eine vernünftige Versorgung der Wirtschaft mit Geld und Krediten sicherzustellen.

Aus Angst, die Inflation anzutreiben und die hohen Immobilienpreise weiter anzuheizen, hat die Zentralbank den Leitzins seit Sommer 2012 nicht weiter gesenkt. Häuser und Wohnungen verteuern sich einer privaten Umfrage zufolge in den 100 größten Städten Chinas im Dezember um 0,2 Prozent, das ist der siebte Anstieg in Folge. Die Regierung in Peking arbeitet seit drei Jahren daran, den Immobilienmarkt abzukühlen.

AUTOMARKT LEGT NUR LANGSAM ZU

Der chinesische Automarkt kommt ebenfalls langsam wieder in Schwung. Im laufenden Jahr dürfte der Absatz um sieben Prozent zulegen, sagte Shi Jianhua, Vize-Generalsekretär der chinesischen Vereinigung der Automobilhersteller, der Nachrichtenagentur Reuters. Das wäre das dritte Jahr in Folge, in dem der größte Automarkt der Welt nur im einstelligen Prozentbereich wächst. 2012 wurden 4,3 Prozent mehr Fahrzeuge verkauft als im Vorjahr, 2011 lag das Plus bei lediglich bei 2,5 Prozent. In den beiden Jahren zuvor hatte es noch zweistellige Zuwachsraten gegeben. Belastet wird die Branche von der Konjunkturabkühlung. Zudem bekamen die japanischen Hersteller die diplomatischen Spannungen zwischen den beiden Ländern zu spüren.