Zyperns Finanzminister weist Geldwäsche-Vorwürfe zurück

Sonntag, 13. Januar 2013, 11:59 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der zyprische Finanzminister Vassos Shiarly hat den Vorwurf der Geldwäsche zurückgewiesen und die Euro-Länder zu einer zügigen Entscheidung über den Hilfsantrag des pleitebedrohten Landes gedrängt.

"Niemand hat bisher belegt, dass wir gegen die Regeln verstoßen oder sogar Geldwäsche fördern", sagte er am Wochenende in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Einen Bericht des Bundesnachrichtendiensts (BND), wonach Zypern eine Drehscheibe für Geldwäsche reicher Russen sei, wies er mit den Worten zurück: "Diese Gerüchte begegnen uns immer wieder, aber auch durch Wiederholungen werden sie nicht wahr."

Die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) verhandeln derzeit über Hilfen des Euro-Rettungsschirms von gut 17 Milliarden Euro für das hoch verschuldete Euro-Land. Zypern ist durch seine engen Beziehungen zu Griechenland besonders von der Schuldenkrise betroffen. In dem BND-Bericht, aus dem der "Spiegel" zitierte, heißt es, Zypern sei "ein Einfallstor für Geldwäscheaktivitäten in der EU". So sei es "relativ einfach" möglich, dort anonyme Konten zu eröffnen. Anwälte und Treuhänder seien bei der Verschleierung illegaler Gelder behilflich.

Shiarly sagte, als das Land 2004 der EU beigetreten sei, habe es alle geforderten Vorschriften zur Bekämpfung der Geldwäsche umgesetzt. Bei allen Kontrollen internationaler Organisationen habe Zypern in den vergangenen Jahren gute Zensuren bekommen. Geldwäsche gebe es überall, auch in Deutschland. Dass viele Russen Geld auf Zypern anlegten, liege an den traditionell guten Beziehungen, der Rechtssicherheit und dem einfachen und attraktiven Steuersystem.

Shiarly sagte, nach monatelangen Verhandlungen mit der EU, dem IWF und der Europäischen Zentralbank (EZB) habe das Parlament bereits alle verabredeten Voraussetzungen für das Hilfsprogramm beschlossen. Eine schnelle Entscheidung der Euro-Gruppe sei notwendig, um das Vertrauen der Märkte zu stabilisieren. Die Euro-Finanzminister wollen nach derzeitigem Stand frühestens im März über den Hilfsantrag entscheiden. Den Hilfen müsste auch der Bundestag zustimmen, wo es massiven Widerstand gibt.

 
Cyprus' Finance Minister Vassos Shiarly chairs an European Union finance ministers meeting in Brussels December 4, 2012. REUTERS/Francois Lenoir (BELGIUM - Tags: BUSINESS POLITICS HEADSHOT)