Deutschland-Bond lässt große Investoren kalt

Montag, 14. Januar 2013, 13:59 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die geplante Einführung eines Deutschland-Bonds stößt bei großen Investoren auf wenig Begeisterung.

"Warum sollte ein Anleger so einen Bond kaufen?", sagte Fondsmanager Claus Meyer-Cording von der Deutsche-Bank-Tochter DWS der Nachrichtenagentur Reuters. Auch Allianz Global Investors äußerte sich kritisch. "Wir sehen zum jetzigen Zeitpunkt keinen großen Bedarf für eine solche Anleihe", sagte Maxence Mormede, der für die Allianz-Tochter das Rentenmanagement in Deutschland leitet. Grund für die Skepsis ist vor allem die geplante Konstruktion der ersten gemeinsamen Anleihe von Bund und Ländern.

Der mit einer erstklassigen Bonität ausgestattete Bund will nicht für den gesamten Betrag haften und seinen Zinsvorteil an die Länder weiterreichen. Stattdessen sollen Bund und Länder für ihren Anteil jeweils getrennt haften. "Was jetzt diskutiert wird, ist nichts Halbes und nichts Ganzes", kommentierte dies Meyer-Cording von der DWS, die weltweit ein Vermögen von 283 Milliarden Euro verwaltet. Für einen Anleger sei das wenig attraktiv. "Dann stellt er doch besser gleich seine eigene Auswahl an Länder-Anleihen zusammen als so etwas vorgesetzt zu bekommen", sagte Meyer-Cording. Die Zinskosten der Länder dürften bei dieser Konstruktion kaum zurückgehen, erwartet er: "Wenn die Länder Geld sparen wollen, dann sollte der Bund die Haftung übernehmen."

"DIE RISIKOPRÄMIEN WÄREN KLEINER"

Das wird bei Allianz Global Investors, die etwa 300 Milliarden Euro verwalten, ähnlich gesehen. "Wenn der Bund allein haften würde, wäre das etwas anderes", sagte Mormede. "Die direkte Haftung räumt die Unsicherheit im Falle einer Insolvenz aus dem Weg. Die Risikoprämien wären kleiner."

Um überhaupt das Interesse der Anleger am neuen Bond zu wecken, muss der Kapitalmarkt nach Ansicht der Experten regelmäßig angezapft werden. "Das Interesse an Deutschland-Bonds wird bei nur selektiver Emissionstätigkeit nicht sehr groß sein", sagte Rüdiger Kerth von Union Investment, wo ein Vermögen von mehr als 190 Milliarden Euro verwaltet wird. Große Investoren bevorzugten liquide Anleihen, die am Sekundärmarkt auch wieder verkauft werden können. "Der Deutschland-Bond sollte regelmäßig am Kapitalmarkt emittiert werden", sagte Kerth. "Drei, vier Emissionen im Jahr mit jeweils zwei bis drei Milliarden Euro wären sinnvoll." Auch unterschiedliche Laufzeiten solle es geben.

"GROSSES VOLUMEN NOTWENDIG"

"Um das Interesse internationaler Anleger zu wecken, bedarf es einem gewissen Volumen und mehrere Laufzeiten", sagte auch Experte Mormede von Allianz Global Investors. Für dieses Jahr ist derzeit allerdings nur eine einzige Emission im Volumen von bis zu vier Milliarden Euro geplant. Die Laufzeit dürfte bei fünf Jahren liegen. Wie es danach weitergeht, ist noch offen.

Mit Bayern, Niedersachsen und Sachsen haben bereits drei Bundesländer erklärt, beim Deutschland-Bond nicht mitzumachen. "Die Deutschland-Bonds sind für uns nicht wirtschaftlich, weil wir uns anders am Kapitalmarkt finanzieren können", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Dresden. Länder wie Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin zweifeln, ob sich mit dem Deutschland-Bond in seiner derzeit geplanten Form überhaupt Zinskosten sparen lassen. Sollte das nicht der Fall sein, wollen sie ebenfalls darauf verzichten.

WAS IST EIN HUCKEPACK-VERFAHREN?

Diese Länder streiten mit dem Bundesfinanzministerium über die Konstruktion des Deutschland-Bonds. Bund und Länder hatten sich Mitte 2012 schriftlich auf ein "Huckepack-Verfahren" geeinigt. Darüber, was das ist, gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die Länder verstehen darunter, dass der Bund die alleinige Haftung übernimmt. Der Bund spricht dagegen von einer "Jumbo-Anleihe", also einer gemeinsamen Emission mehrerer Bundesländer mit dem Bund, bei der aber jeder für seinen jeweiligen Teil haftet.