Viele deutsche Banken zahlen EZB-Milliarden frühzeitig zurück

Dienstag, 15. Januar 2013, 16:17 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die deutschen Geldhäuser lösen sich langsam wieder vom Tropf der Europäischen Zentralbank.

Ein Jahr nach den Milliardenspritzen der Währungshüter wollen die Institute nach Informationen aus Finanzkreisen schon im Januar mit der Rückzahlung beginnen. Anfang 2012 hatten sie sich das Geld eigentlich für drei Jahre zum Mini-Zins von damals einem Prozent geliehen, um Liquiditätsengpässen vorzubeugen. Inzwischen müssen die Banken nur noch 0,75 Prozent Zinsen zahlen, da der Leitzins gesunken ist.

Vor einem Jahr war die Nervosität groß - die Euro-Schuldenkrise steuerte einem neuen Höhepunkt zu, die Geldmärkte drohten einzufrieren: In zwei Tranchen besorgten sich Europas Finanzinstitute daher rekordverdächtige eine Billion Euro, allein an deutsche Häuser flossen nach Schätzungen von Analysten 69 Milliarden. EZB-Präsident Mario Draghi wollte mit den Geldspritzen - auch bekannt unter dem Schlagwort LTRO - verhindern, dass die Schuldenkrise das Finanzsystem infiziert und die Banken wie Jahre zuvor kaum mehr an Geld kommen.

Vom 30. Januar an haben die Banken nun wöchentlich die Möglichkeit, das Geld aus der ersten Tranche von 489 Milliarden Euro zurückzugeben. Analysten von Barclays schätzen, dass die deutschen Banken schon bei erster Gelegenheit 25 Milliarden zurückzahlen. Die Commerzbank, die sich insgesamt 16 Milliarden Euro bei der EZB besorgte, hat bereits angekündigt, im ersten Quartal mit der Rückzahlung zu beginnen. Finanzvorstand Stephan Engels will die zehn Milliarden Euro, die sein Haus in der ersten Runde genommen hatte, bis Ende März komplett tilgen. Deutschlands zweitgrößte Bank könne sich inzwischen günstiger refinanzieren als über die EZB, hatte er im November gesagt. Das würde im Grundsatz auch für die sechs Milliarden aus der zweiten Tranche gelten. Ihr Kreditgeschäft hat die Commerzbank ohnehin geschrumpft und braucht daher weniger Refinanzierungsmittel.

Die Deutsche Bank, die sich Finanzkreisen zufolge bis zu zehn Milliarden Euro bei der EZB besorgt hat, hält sich zu ihren Plänen offiziell noch bedeckt. Generell wolle das Institut das Geld nicht auf einen Schlag, sondern in kleinen Schritten zurückgeben, sagte ein Insider.

KEIN IMAGE-SCHADEN

Die Pfandbriefbank pbb, Nachfolgerin der in der Finanzkrise kollabierten Hypo Real Estate (HRE), hatte bei der EZB ebenfalls zugegriffen und sich bei den beiden Tranchen jeweils rund zwei Milliarden Euro geholt. Vom LTRO I könnten nun im Januar bereits 20 Prozent vorzeitig zurückgezahlt werden, verlautete aus Kreisen des Instituts. Die Immobilienbank habe genügend Liquidität, auch weil sie 2012 deutlich weniger Neugeschäft gemacht hat als geplant. Die Wiesbadener Konkurrentin Aareal Bank, die beim LTRO II Kreisen zufolge mit einer Milliarde Euro zugegriffen hatte, kann erst beim zweiten Termin Ende Februar Geld zurückgeben. Nach Angaben von Insidern ist darüber aber noch nicht entschieden. Die VW-Finanztochter Volkswagen Financial Services, die sich zwei Milliarden Euro geliehen hatte, wollte sich nicht zu ihren Rückzahlungsplänen äußern.

"Für viele Institute war der LTRO eine Rückversicherung, die man am Ende gar nicht gebraucht hat", sagte ein Banker. "Und das Gute daran ist: Wer Geld genommen hat, dessen Image hat noch nicht einmal gelitten." In der Tat hat sich die Lage auf dem Refinanzierungsmarkt deutlich entspannt, nachdem EZB-Chef Draghi im Juli erklärt hatte, die Euro-Zone um jeden Preis zu verteidigen. Etliche Großbanken können sogar wieder unbesicherte Anleihen bei Investoren platzieren. Selbst in Euro-Schuldenländern wie Spanien und Italien sehen sich manche Banken gut genug gerüstet, um einen Teil des EZB-Geldes zurückzugeben. Schließlich ist eine frühzeitige Rückzahlung auch ein wichtiges Signal der Stärke an Investoren und Ratingagenturen. Wie die EZB die wöchentlichen Daten veröffentlicht, ist noch offen.

 
Mario Draghi, President of the European Central Bank (ECB), signs an oversized new unveiled 5 euro note in Frankfurt, January 10, 2013. REUTERS/Kai Pfaffenbach