Schäuble muss höhere Zinsen für frisches Geld bezahlen

Mittwoch, 16. Januar 2013, 17:26 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble muss höhere Zinsen für frisches Geld bezahlen.

Der Bund nahm bei der Versteigerung einer neuen zehnjährigen Anleihe gut vier Milliarden Euro ein, wie die für das Schuldenmanagement zuständige Finanzagentur am Mittwoch mitteilte. Die Durchschnittsrendite stieg auf 1,56 Prozent. Sie lag damit über dem Niveau der vorangegangenen Auktion im November von 1,4 Prozent.

"Die Durchschnittsrendite zeigt eine leicht gestiegene Renditeerwartung der Investoren, allerdings auf einem nach wie vor sehr geringem Niveau", sagte ein Sprecher der Finanzagentur. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler geht davon aus, dass der Trend zu höheren Zinsen anhalten wird. Grund dafür seien Fortschritte in den Euro-Krisenländern. "Das führt am Ende natürlich auch zu steigenden Zinsen für uns", sagte Rösler. "Wenn die Zinsen steigen aufgrund der zunehmenden Wirtschaftskraft in den europäische Staaten", dann sei das letztlich eine positive Nachricht.

250 MILLIARDEN EURO KAPITALAUFNAHME GEPLANT

Die Nachfrage der Investoren zog wegen der höheren Rendite an: Die Versteigerung war 1,7-fach überzeichnet, im November dagegen nur 1,5-fach. "Viele Investoren wollen einen großen Anteil an sicheren Anlagen haben", sagte Analyst Marius Daheim von der Bayerischen Landesbank.

Das Bundesfinanzministerium will sich in diesem Jahr 250 Milliarden Euro am Kapitalmarkt leihen - fünf Milliarden Euro weniger als 2012. Mehr als ein Fünftel davon - insgesamt 54 Milliarden Euro - sollen mit zehnjährigen Bundesanleihen erlöst werden. Mit dem Geld müssen alte Schulden zurückgezahlt und das Defizit im neuen Haushalt geschlossen werden. Der Bund profitiert in der Schuldenkrise von der Flucht der Investoren in sichere Anlagen. Bei 21 der insgesamt 70 Auktionen im vergangenen Jahr musste er keine Zinsen an seine Gläubiger zahlen, sondern kassierte eine Prämie.