Universalbanken fürchten um ihr Investmentbanking

Mittwoch, 16. Januar 2013, 18:53 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Privatbanken warnen in der Debatte über eine Trennung ihres Investmentbankings von den Kundeneinlagen vor einer für den Standort schädlichen Überregulierung.

Der scheidende Präsident des Bankenverbandes, Andreas Schmitz, sagte am Mittwoch in Berlin, ein Abtrennen der Handelsaktivitäten würde sich negativ auf das Kreditgeschäft auswirken. Auch die Sparkassen forderten eine Beibehaltung des Universalbankensystems, zeigten sich aber offen für eine bessere Risikokontrolle. Dabei orientiert sich die Bundesregierung am "Trennbanken light"-Modell in Frankreich.

Die Debatte hatte durch ein Positionspapier erneut Fahrt aufgenommen, das die Koalitionsfraktionen von Union und FDP am Donnerstag im Bundestag verabschieden wollen. Darin wird die Regierung aufgefordert, die Vorschläge der Expertenkommission des finnischen Notenbankchefs Erkki Liikanen zu prüfen, wie die von Banken ausgehenden Gefahren verringert werden könnten. Dazu hatten die Experten im Herbst vorgeschlagen, den riskanten Handel vom restlichen Geschäft einer Bank abzutrennen, dies aber innerhalb einer gemeinsamen Holding mit dem Mutterinstitut. Eine radikale Zerschlagung von Großbanken würde damit vermieden.

Den Banken gehen die Liikanen-Vorschläge dennoch zu weit. Schmitz betonte: "Die deutsche Wirtschaft braucht das bisherige Universalbankensystem, das sich auch in der Krise bewährt hat." Der Bankenverband teile zwar die Einschätzung der Koalitions-Fraktionen, dass insbesondere die höheren Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen, das Restrukturierungsgesetz und die Vorschläge für eine Sanierungs- und Abwicklungsplanung von Geldinstituten Risiken verminderten. Die von den Fraktionen geforderte Prüfung der weitergehenden Vorschläge der Liikanen-Gruppe werde jedoch keine weitere Verbesserung bringen.

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon sagte zu Reuters: "Wir haben in der Krise die Stärke der Universalbanken gesehen." Um den Mittelstand begleiten zu können, seien Instrumente etwa zur Absicherung von Währungsrisiken oder Warentermingeschäfte nötig. Beides sind klassische Aufgaben des Investmentbankings. "Deshalb ist die absolute Trennung einzelner Bankbereiche nicht sachgerecht", sagte Fahrenschon. Der Ansatz von Liikanen sei aber richtig, sich das Verhältnis von Eigenhandel und Handelsbucherträgen zur Bilanz eines Kreditinstitutes anzusehen.

Die von Liikanen vorgeschlagene Trennung der Bereiche unter einem Holding-Dach soll eine von den Einlagen der Kunden unabhängige Refinanzierung des Investmentbankings garantieren. Für die Banken könnte das erhebliche Mehrkosten bedeuten. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

FINANZMINISTERIUM: SCHAUEN NACH FRANKREICH

Das Bundesfinanzministerium erklärte, es gebe keinen Schwenk in der Position der Bundesregierung. Diese hatte die Vorschläge der Liikanen-Gruppe begrüßt. Vor allem schaut die Regierung derzeit aber nach Frankreich. "Wir stehen zum aktuellen französischen Gesetzesentwurf seit einiger Zeit im engen Kontakt mit der französischen Regierung und arbeiten mit Nachdruck daran, die Umsetzung der Liikanen- Empfehlungen auf europäischer und nationaler Ebene voranzubringen", sagte ein Sprecher.

"Unser Ziel war und ist es weiterhin, Bankrisiken besser als bisher voneinander abzuschirmen, die Haftung zu erhöhen, die Komplexität von Banken zu reduzieren und die Abwicklung von Banken im Bedarfsfall zu erleichtern", sagte der Sprecher. Entscheidend bei der Reduzierung der Risiken für die Bürger sei dabei die wirtschaftliche Trennung der Risikosphären.

Die Regierung in Paris setzt den heimischen Großbanken zwar bei hochspekulativen Geschäften im Eigenhandel enge Grenzen. Den Geldhäusern werden aber auch künftig Kundenleistungen aus dem Investmentbereich ermöglicht, damit die Wirtschaft nicht abgewürgt wird. So soll die mit dem Eigenhandel eng verbundene Marktpflege (Market Making), bei der Finanzinstitute die Kurse für Wertpapiere festlegen und Liquidität stellen, ausgespart. Nur spekulative Handelsgeschäfte müssen ausgelagert werden. Dies wird auch als ein "Trennbankensystem light" bezeichnet.

Bankenverbands-Chef Schmitz sagte, mit dem französischen Modell könne die Branche letztlich leben: "Aber ich fände es nicht besonders prickelnd." Nach seinem Verständnis seien die französischen Banken auch künftig Universalbanken - schließlich würden nur rund ein Prozent ihrer Erlöse ausgelagert.