Länder im Zentrum der Eurokrise atmen leicht durch

Freitag, 18. Januar 2013, 10:23 Uhr
 

Madrid/Athen (Reuters) - Nach einem turbulenten Jahr können die Staaten im Zentrum der Eurokrise Anfang 2013 wieder etwas durchatmen.

Die Anleger am Anleihenmarkt schenken Spanien wieder mehr Vertrauen, was sich am Donnerstag mit sinkenden Kosten bei der Schuldenaufnahme in barer Münze bemerkbar machte. Auch Griechenland schöpft auf dem steinigen Weg der Reformen Hoffnung. Es will bis Ende des Jahres die Rezession abschütteln und den Haushalt wieder einigermaßen ins Lot bringen: "Uns geht es schon besser, doch sind wir noch nicht aus der Gefahrenzone heraus", sagte Finanzminister Yannis Stournaras zu Reuters.

Der parteilose Ökonom auf dem Athener Finanzministerstuhl will dieses Jahr einen Primärüberschuss im Haushalt erzielen und damit die Erwartungen der Troika aus EU, IWF und EZB übertreffen. Beim Primärüberschuss werden die Kosten des Schuldendienstes ausgeklammert. Die Troika wacht über die Einhaltung der Reformauflagen für das Land unter dem Euro-Rettungsschirm, das 2012 wegen seiner desolaten Lage und zeitweiliger politischer Turbulenzen schon als Austrittskandidat gehandelt wurde. "Am Primärdefizit werden wir gemessen. Die Troika erwartet eine schwarze Null. Doch wir glauben, etwas besser abzuschneiden", sagt Stournaras. Im Haushaltsplan veranschlagt die Regierung für 2013 ein Plus von 0,4 Prozent.

FINANZMINISTER WILL REFORMGEGNERN WIDERSTEHEN

Stournaras räumte jedoch ein, dass er den eisernen Sparkurs nur gegen Widerstände im eigenen Land durchsetzen kann: "Es ist erschreckend, dass es großen Druck aus der Gesellschaft, den Medien und von Abgeordneten jeglicher Couleur gibt, die das Programm entschärfen wollen. Wir müssen dem widerstehen." Zum Jahresende soll die jahrelange Rezession überwunden sein. Die Wirtschaft werde dann auf Quartalsbasis zum Wachstum zurückkehren, sagte Stournaras dem "Handelsblatt". 2014 könnte das Jahr sein, in dem das Bruttoinlandsprodukt wieder stetig steige. Als Hoffnungszeichen wertet es Stournaras, dass sich die Kapitalausstattung der griechischen Banken verbessert hat und auch die Kurse der Anleihen steigen.

AUSLAND ZOLLT HELLAS ANERKENNUNG FÜR REFORMEN

Lob für Hellas kam auch vom Internationale Währungsfonds (IWF). Das Land bewege sich in die richtige Richtung, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Trotz der Fortschritte seien jedoch noch "kraftvolle" Reformen nötig. Außerdem müssten die Eurozonen-Partner das Land langfristig unterstützen. "Die Strategie bleibt darauf ausgerichtet, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen", ergänzte sie. Kurz zuvor hatte der Fonds die nächste Hilfstranche für Griechenland freigegeben. Die Zahlung der 3,24 Milliarden Euro wurde allgemein erwartet. Neben Griechenland bekommt auch Portugal frisches Geld. Der IWF stimmte dafür, weitere knapp 839 Millionen Euro dem Land auszuzahlen.

Man müsse Respekt gegenüber dem haben, was in Krisenländern wie Griechenland an Veränderungen umgesetzt worden sei, betonte der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, in Berlin. Andererseits sollte man in der Staatsschuldenkrise nun nicht bereits eine Rückkehr zur Normalität in diesem Jahr erwarten. "Ich glaube, das ist einigermaßen verfrüht." Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble machte den Europäern jedoch Mut: "Wir sind auf dem richtigen Weg, die Vertrauenskrise in den Euro ... Schritt für Schritt zu lösen", sagte der Minister im Bundestag. "Wir sind nicht über dem Berg, aber wir sind auf dem richtigen Weg."

Spanien, das voriges Jahr zeitweise als heißer Anwärter für den Euro-Rettungsschirm galt, spürt an den Finanzmärkten wieder Rückenwind: Bei der Ausgabe von Anleihen mit Laufzeiten bis 2015, 2018 und 2041 nahm das klamme Land insgesamt 4,5 Milliarden Euro ein und landete damit am oberen Ende der angestrebten Spanne. Dabei zahlte der spanische Staat zudem geringere Renditen als zuletzt: "Es zeigt sich, dass Anleger aus Übersee und speziell aus den USA zu den Anleihenmärkten der Staaten am Rande der Euro-Zone zurückkehren", sagte Ökonom Nick Stamenkovic von Ria Capital Markets.

Viele von Reuters befragte Experten gehen wegen der gesunkenen Kapitalmarktkosten Spaniens davon aus, dass das Land dieses Jahr den Euro-Rettungsschirm ESM nicht in Anspruch nehmen muss. In einer Umfrage unter 23 Händlern sahen 13 keine Notwendigkeit für Spanien, den ESM anzuzapfen.

 
MREUTERS/John Kolesidis (GREECE - Tags: CIVIL UNREST POLITICS BUSINESS)