Niederländer kandidiert für Euro-Zonen-Vorsitz

Donnerstag, 17. Januar 2013, 17:03 Uhr
 

Berlin/Paris/Amsterdam (Reuters) - Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hat seine offizielle Kandidatur für den Vorsitz der Finanzminister der Euro-Länder angekündigt.

"Ich habe vor, mich morgen als Kandidat zu bewerben", sagte der Sozialdemokrat am Donnerstag im Finanzausschuss des niederländischen Parlaments. Ein Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", wonach Frankreich seine Wahl bei der nächsten Sitzung der Euro-Gruppe am Montag verhindern und möglicherweise auf Februar verschieben wolle, wurde von der Regierung in Paris nicht bestätigt. Allerdings verlangt Paris Aufschluss über die Pläne des mühsam gefundenen Kandidaten.

Dijsselbloem soll dem Luxemburger Jean-Claude Juncker nachfolgen, der amtsmüde ist. Der 46-jährige Dijsselbloem sagte, die Euro-Finanzminister hätten sich diese Woche darauf geeinigt, dass Nachfolgekandidaten bis Freitag ihren Hut in den Ring werfen sollten. Der Sozialdemokrat hatte in den vergangenen Wochen eine Tour durch die europäischen Hauptstädte gemacht. Er war erst im November Finanzminister der Niederlande geworden.

Die Suche nach einem Kandidaten für die Juncker-Nachfolge zieht sich seit Monaten hin. Zeitweise war auch Finanzminister Wolfgang Schäuble im Gespräch, ebenso sein französischer Kollege Pierre Moscovici. Das Amt gilt als Schlüsselposten bei der Überwindung der Schuldenkrise in der Euro-Zone.

Moscovici äußerte gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" Vorbehalte gegen die schnelle Ernennung Dijsselbloems. Es gebe bisher noch gar kein offizielles Bewerbungsverfahren für die Nachfolge. Der Zeitung zufolge deutete Moscovici auch an, dass eine Entscheidung deshalb frühestens im Februar fallen könne. In französischen Regierungskreisen erfuhr Reuters, dort sei man nicht gegen Dijsselbloem, wolle aber vor seiner Wahl genaueres über seine politischen Ziele erfahren. Dies könne durchaus noch vor der für Montag geplanten Wahl geschehen.

Die Zeitung schrieb, Moscovici wolle eine schriftliche Festlegung des Niederländers, wie etwa der Euro erhalten werden oder die geplante Bankenunion weiterentwickelt werden könne. Moscovici habe dem Blatt aber auch gesagt, er lehne Dijsselbloems nicht grundsätzlich ab, der "sympathisch und intelligent" sei. Die beiden Minister waren vorige Woche in Paris zusammengetroffen.