Japan setzt auf die Notenpresse als Problemlöser

Freitag, 18. Januar 2013, 14:51 Uhr
 

Tokio/Washington (Reuters) - Japan will seiner dahindümpelnden Wirtschaft mit Hilfe der Notenpresse auf die Sprünge helfen und nimmt dafür eine höhere Inflation in Kauf.

Die neue Regierung und die Zentralbank des Landes verabredeten nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters vom Freitag, ihr Inflationsziel auf zwei Prozent zu verdoppeln.

Solange diese deutlich erhöhte Marke nicht in Sicht sei, soll die Zentralbank künftig zur Erhöhung der Liquidität in der Wirtschaft Staatsanleihen des ohnehin schon dramatisch verschuldeten Landes kaufen können, sagten mehrere mit der Sache vertraute Personen. Japans Währungshüter sollen dieses Konzept auf ihrer zweitägigen Sitzung in der kommenden Woche prüfen. Im Gespräch sei zudem, die Zinsen, die die Zentralbank auf Reserveeinlagen von Banken zahlt, zu streichen. Diese Überlegungen schürten an den Märkten hohe Erwartungen: Die Tokioter Börse reagierte mit einem Kurssprung um fast drei Prozent.

Unterdessen drängte IWF-Chefin Christine Lagarde die Industrieländer, mehr für das Wachstum und neue Arbeitsplätze zu tun. Mit finanzpolitischen und strukturellen Reformen müssten Wachstumshindernisse ausgeräumt werden. Dabei gehe es "nicht um irgendein Wachstum, sondern ein Wachstum, das Arbeitsplätze schaffen kann". Den Europäern, die bei der Bekämpfung ihrer Schuldenkrise vorangekommen seien, ohne dass sie sich aber schon zurücklehnen könnten, empfahl sie, an ihrer Niedrigzinspolitik festzuhalten oder sie gar noch weiter zu lockern, um die Nachfrage zu stützen. In den USA sollten alle Kräfte im nationalen Interesse zusammenarbeiten, um die Schuldenobergrenze des Landes zu erhöhen und damit die "Fiskalklippe" zu umschiffen. Mittelfristig müsse die USA aber den Schuldenabbau angehen.

BELEGE FÜR SCHÄUBLES SORGEN

Die jüngsten Überlegungen in Japan signalisieren, dass das Land unter seinem neuen Regierungschef Shinzo Abe trotz einer Rekord-Staatverschuldung von über 230 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung und eines Leitzinses von 0,1 Prozent noch stärker auf eine expansive Finanz- und Geldpolitik setzt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat sich zuletzt bereits besorgt über diesen Kurs geäußert.

Der Vize-Wirtschaftsminister des Landes, Yasutoshi Nishimura sagte Reuters, Regierung und Notenbank hätten sich grundsätzlich schon verständigt, das Inflationsziel auf zwei Prozent zu verdoppeln. Unklar sei noch, ob das Mandat der Notenbank künftig ausdrücklich auf die Förderung des Arbeitsmarktes ausgedehnt werden soll. Dies würde eine weitere Politisierung der Notenbank bedeuten, die ohnehin weit fortgeschritten ist.

Die neue Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe hatte nach ihrem Amtsantritt den Druck auf die Währungshüter deutlich erhöht, die Geldpolitik weiter zu lockern. Erwartet wird in diesem Zusammenhang auch, dass die Notenbank ihr auf umgerechnet rund 900 Milliarden Euro (101 Billionen Yen) angewachsenes Programm zum Anleihe-Kauf und zur Kreditvergabe aufstockt.

WACHSTUMS- UND DEFLATIONSPROBLEME

Japan kämpft seit geraumer Zeit mit Wachstumsproblemen, Strukturschwächen und anhaltenden Deflationstendenzen. Die Hoffnung auf eine expansivere Geldpolitik trieben die Börsenkurse des Landes zuletzt auf ein Drei-Jahres-Hoch und drückten den Yen-Kurs kräftig gegenüber dem Dollar auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief, was den Exporten des Landes im Wettbewerb helfen sollte.