Frankreich - Gehen von Dijsselbloem als Euro-Gruppen-Chef aus

Montag, 21. Januar 2013, 07:47 Uhr
 

Paris (Reuters) - Frankreich hat seine Vorbehalte gegen den Niederländer Jeroen Dijsselbloem als Chef der Euro-Gruppe offenbar aufgegeben.

Finanzminister Pierre Moscovici sagte dem französischen Fernsehsender TV5 am Sonntag, er gehe von einer Ernennung seines niederländischen Kollegen beim Treffen der Finanzminister der 17 Euro-Länder am Montag in Brüssel aus. Er hoffe, dass Dijsselbloem das Thema Europa mit dem selben Einsatz wie der scheidende Vorsitzende Jean-Claude Juncker vorantreibe. Moscovici beharrte allerdings darauf, dass der Niederländer seine Vorstellungen für Europa formuliere. "Das ist das mindeste, was wir erwarten", sagte Moscovici, der wie Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble selbst schon als Juncker-Nachfolger gehandelt worden war.

Es wird erwartet, dass die Finanzminister nach langem Hin- und Her Dijsselbloem als Nachfolger für den amtsmüden Luxemburger Juncker aufs Schild heben. Der dienstälteste Regierungschef eines Euro-Landes, bis 2009 auch noch Finanzminister in Personalunion, ist bereits seit 2005 Chef der Euro-Gruppe. Geht es nach Juncker, der Bundesregierung und auch ihm selbst, wird Dijsselbloem den Schlüsselposten im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise einnehmen.

An Arbeit würde es Dijsselbloem nicht mangeln. Der Streit um direkte Hilfen für marode Kreditinstitute aus dem Euro-Rettungsfonds ESM dürfte andauern. Während Länder wie Irland, Griechenland und Portugal, die Milliarden in ihre Banken stecken mussten, lieber heute als morgen den ESM anzapfen würden, sind Deutschland, Finnland und die Niederlande strikt dagegen. Sie wollen Geld aus dem ESM erst dann an Banken geben, wenn die unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) entstehende einheitliche Bankenaufsicht auch steht.

 
Luxembourg's Prime Minister and Eurogroup Chairman Jean-Claude Juncker (front R) talks to Netherlands' Finance Minister Jeroen Dijsselbloem in Luxembourg January 18, 2013. REUTERS/Laurent Dubrule