Bundesbank kann sich doch für Trennbanken erwärmen

Montag, 21. Januar 2013, 19:02 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank bewegt sich im Streit um die mögliche Aufspaltung von Geldhäusern in mehr und weniger riskante Teile.

Nachdem die deutsche Notenbank bislang jede Form eines sogenannten Trennbankensystems abgelehnt hatte, wie es die USA planen, deutete Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Montagabend beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse in Eschborn bei Frankfurt nun überraschend einen Kurswechsel an: "Auch die Schaffung rechtlich, organisatorisch und wirtschaftlich eigenständiger Handelseinheiten kann dazu beitragen, Einlagenkreditinstitute zu schützen, ohne dabei die Vorteile des deutschen Unversalbankensystem zu opfern."

Zwar hätten sich Trennbankensysteme in der Krise "keineswegs als überlegen herausgestellt". Dennoch müssten die Einlagen der Banken in Deutschland - das Geld von Haushalten und Unternehmen - besser vor dem spekulativen Eigenhandel oder riskanter Ausleihungen geschützt werden, erklärte Weidmann. Einer von der EU eingesetzten Expertenkommission um den finnischen Notenbankchef Erkki Liikanen hatte im Herbst eine Abspaltung des riskanten Handels vom übrigen Bankgeschäft vorgeschlagen.

Weidmann nähert sich nun den Vorschlägen Liikanens an. Er will aber Ausnahmen für kleinere Banken: "Kundengetriebene Transaktionen und Absicherungsgeschäfte sind dabei auszunehmen, und Bagatellgrenzen können sicherstellen, dass auch kleine Einlagenkreditinstitute Eigenhandel und derivative Geschäfte in einem angemessenen Umfang betreiben können." Weidmanns neuer Kurs steht im Gegensatz zu Äußerungen seiner Vize-Präsidentin Sabine Lautenschläger. Die gelernte Bankenaufseherin hatte zuletzt kaum ein gutes Haar an den Vorschlägen der Liikanen-Kommission gelassen.