ZEW-Barometer springt auf höchsten Stand seit Mai 2010

Dienstag, 22. Januar 2013, 11:36 Uhr
 

Mannheim/Berlin (Reuters) - Finanzprofis trauen der deutschen Wirtschaft nach dem Einbruch am Jahresende 2012 eine rasche Rückkehr auf den Wachstumspfad zu.

Das ZEW-Barometer für die Konjunkturentwicklung in den kommenden sechs Monaten kletterte im Januar auf den höchsten Stand seit Mai 2010. Es legte um 24,6 auf 31,5 Punkte zu, teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter 272 Anlegern und Analysten mit. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich 12,0 Punkte erwartet.

"Die Experten verbinden mit der verbesserten Stimmung an den Finanzmärkten offenbar die Hoffnung, dass die Unternehmen zurückgestellte Investitionen nunmehr doch durchführen", sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz. "Allerdings wird die konjunkturelle Ausgangslage bei wichtigen Handelspartnern nach wie vor zurecht schwach eingeschätzt." Dies lasse erwarten, dass die deutsche Wirtschaft 2013 "weiterhin moderat wachsen wird".

"FINANZPROFIS ERWARTEN TRENDWENDE"

Die Lage bewerteten die Experten ebenfalls besser: Dieses Barometer stieg um 1,4 auf 7,1 Punkte und damit ebenfalls stärker als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt war im vierten Quartal 2012 mit 0,5 Prozent so stark eingebrochen wie seit dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Die ZEW-Umfrage signalisiert eine Rückkehr zu Wachstum zu Jahresbeginn, womit eine Rezession verhindert würde.

"Die Finanzprofis erwarten eine Trendwende", sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. Das globale Umfeld habe sich verbessert - "von den aufgehellten Wachstumsperspektiven in China bis zur Auftragslage im deutschen Industriesektor". "Der Start in das neue Jahr ist mehr als gelungen", sagte auch DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Die US-Fiskalklippe sei vorerst umschifft worden, während Euro-Krisenländer wie Spanien deutlich niedrigere Zinsen für frisches Geld zahlen müssen.

Allerdings dürfte die Wirtschaft nur langsam wachsen. Die Bundesbank rechnet für das Gesamtjahr 2013 nur mit einem Plus von 0,4 Prozent, nach 0,7 Prozent 2012.