Asmussen warnt vor Politisierung der Wechselkurs-Debatte

Dienstag, 22. Januar 2013, 16:08 Uhr
 

Brüssel (Reuters) - EZB-Direktor Jörg Asmussen hat mit Blick auf die Situation in Japan vor einer Politisierung der Wechselkurse und der Notenbank selbst gewarnt.

"Es gibt Anlass zur Sorge, wenn öffentlich Druck auf eine Notenbank ausgeübt wird, mehr zu tun, wenn die Probleme struktureller Natur sind", sagte er am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters in Brüssel. "Strukturelle Probleme kann auch eine gelockerte Geldpolitik nicht lösen". Für seine eigene Institution machte er deutlich: "Für uns als EZB ist der Wechselkurs kein Zielpunkt unserer Politik." Die Unabhängigkeit der Notenbank sei ein hohes Gut. Wenn es hier den Anschein einer politischen Dominanz gebe, könne dies das Marktvertrauen schwächen.

Asmussen warnte indirekt auch vor einem Währungskrieg. Er möge weder diesen Begriff noch das dahinterstehende Konzept, sagte er. "Meine Überzeugung ist, dass internationale Kooperation der bessere Weg ist. Bei Fragen der wichtigsten Währungen ist die Gruppe der G7 seit Jahren das angemessene Forum." Das EZB-Direktoriumsmitglied machte zudem deutlich: "Man sollte das Thema der Wechselkurse nicht politisieren". Es gebe ein gemeinsames Interesse in ein starkes und stabiles Finanzsystem mit über den Markt bestimmten Wechselkursen. Man wisse andererseits, dass übermäßige Wechselkursschwankungen und ungeordnete Wechselkursbewegungen schädliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche und finanzielle Stabilität hätten.

In Japan hatten die neue Regierung und die Notenbank angekündigt, sie wollten den stotternden Wachstumsmotor mit einer Rekord-Geldschwemme wieder auf Touren bringen. Experten hatten daraufhin vor einem Abwertungswettlauf unter anderem zwischen Japan und den USA gewarnt. In den letzten Tagen hatten sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann besorgt über diese Entwicklung geäußert.