Exportnation Japan mit Rekord-Handelsdefizit

Donnerstag, 24. Januar 2013, 13:17 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Die Exportnation Japan hat 2012 das größte Handeldefizit ihrer Geschichte eingefahren.

Die Importe übertrafen die Ausfuhren um 6,93 Billionen Yen (rund 58 Milliarden Euro), teilte das Finanzministerium am Donnerstag in Tokio mit. 2011 hatte es das erste Defizit seit 1980 gegeben. Das lag damals an den Produktionsausfällen nach den Verwüstungen durch das Erdbeben und den Jahrhundert-Tsunami sowie an den steigenden Importen von Öl und Kohle wegen der Abschaltung der Atomkraftwerke.

Diesmal sorgten schwache Exporte für das Minus. Sie fielen allein im Dezember um 5,8 Prozent und bereits den siebten Monat in Folge. Ein Grund für die lange Durststrecke ist der Streit mit China um zwei Inseln im ostchinesischen Meer, die Japan von zwei Privatleuten gekauft hatte. Daraufhin hagelte es Boykottaufrufe in der Volksrepublik gegen japanische Waren. Die Importe legten dagegen am Jahresende um 1,9 Prozent zu.

BILLIGER YEN ALS LÖSUNG?

Auftrieb könnten die Exporteure vom fallenden Yen bekommen, der Waren von Toyota, Sony& Co im Ausland billiger macht. Dessen Kurs ist seit November um elf Prozent zum Dollar und sogar um 15 Prozent zum Euro gefallen, weil die Notenbank unter dem Einfluss der neuen Regierung den Markt mit billigem Geld überschwemmen will. Das hat weltweit die Sorge vor einem Abwertungswettlauf genährt. "Da sich die USA und China erholen und der Yen-Kurs fällt, dürfte die Handelsbilanz am Ende dieses Jahres wieder einen Überschuss aufweisen", sagte der Chefvolkswirt des Forschungsinstituts Naroinchukin, Takeshi Minami. Ökonomen gehen davon aus, dass das Defizit in diesem Jahr auf 5,6 Billionen Yen schmelzen wird.

Im Unterschied zu Japan weist Deutschland einen Exportüberschuss aus. Er ist 2012 sogar noch gewachsen - und zwar von 204 auf 218 Milliarden Dollar. Nach Ifo-Berechnungen weist nur Exportweltmeister China mit 234 Milliarden Dollar einen noch größeren Überschuss aus.