Japan weist Währungsmanipulations-Vorwurf zurück

Freitag, 25. Januar 2013, 10:34 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Japan verteidigt sich gegen Anschuldigungen, mit der lockeren Geldpolitik einen Abwertungswettlauf auszulösen und so seinen Exporteuren wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen.

Finanzminister Taro Aso sagte am Freitag nach einem Kabinettstreffen vor Journalisten, die geldpolitischen Lockerungen der Notenbank zielten auf eine Bekämpfung der Deflation, die das Land seit Jahrzehnten im Griff halte. Auch im Dezember fielen die Preise. "Es ist überhaupt nicht in Ordnung, uns zu kritisieren, wir würden die Währung manipulieren", sagte Aso. Japan sei lediglich dabei, die exzessive Stärke des Yen zu korrigieren.

Wirtschaftsminister Akira Amari kündigte an, er werde die Währungspolitik seines Landes am Wochenende auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erläutern. Es gebe keinen Grund zur Sorge.

Das Land muss sich möglicherweise auch beim Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer Mitte Februar erklären. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstag in Davos Sorge über Japans Kurs geäußert. Auch die Bundesbank bewertet den Kurs der Regierung in Tokio kritisch. Der US-Großinvestor George Soros sieht dagegen auch Deutschland in der Pflicht. "Die Deutschen glauben an Einsparungen, und der Rest der Welt glaubt an geldpolitische Lockerungen", sagte er am Rande des Forums. Dieser Widerstreit könnte eine gefährliche Auseinandersetzung auslösen. "Ich glaube, die größte Gefahr ist tatsächlich, möglicherweise, ein Währungskrieg."

WEITERE LOCKERUNG DER GELDPOLITIK ERWARTET

Japans Notenbank hatte am Dienstag unter massivem Druck der Regierung unbefristete Anleihenkäufe angekündigt und das Inflationsziel auf zwei Prozent angehoben - einen Wert, der seit Ende der 1990er Jahre nur in wenigen Monaten erreicht wurde. Derzeit ist das Inflationsziel in weiter Ferne: Im Dezember sanken die Verbraucherpreise in der Kernrate, ohne die stark schwankenden Lebensmittelpreise, verglichen mit dem Vorjahr um 0,2 Prozent. Das war der zweite Rückgang in Folge. Der Yen fiel nach Bekanntgabe der Daten auf 90,68 zum Dollar und damit auf den niedrigsten Stand seit zweieinhalb Jahren.

Fallende Preise sind Gift für eine Volkswirtschaft, weil sich die Verbraucher in der Hoffnung auf noch günstigere Angebote mit Käufen zurückhalten und so eine Abwärtsspirale in Gang kommt. Experten rechnen nun mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik, um das Problem in den Griff zu bekommen. Vor allem nach dem Amtsende von Notenbankchef Masaaki Shirakawa im April werden weitere Schritte erwartet. Shirakawa bekräftigte die Bereitschaft der Notenbank, an ihrer lockeren Politik festzuhalten. "Japan könnte nun eine Möglichkeit haben, sich aus der Stagnation zu befreien. Wir wollen diesen Schwung beibehalten", sagte er.

Die Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe hatte seit ihrem Wahlsieg im Dezember den Druck auf die Notenbank erhöht, die Geldpolitik zu lockern. Damit schickte sie den Yen auf Sinkkurs, seit November hat der Yen mehr als zehn Prozent an Wert verloren. Bei japanischen Unternehmen kommt die Politik Abes, auch "Abenomics" genannt, gut an. 60 Prozent der japanischen Firmen sind vom Export abhängig. Nach Schätzungen von Analysten steigt der Gewinn aller börsennotierten Unternehmen um ein Prozent für jeden Yen, den die Landeswährung zum Dollar fällt. Der Schiffskonzern Sumitomo Heavy Industries , die Halbleiterfirma Shin-Etsu Chemical , der Stahlkonzern JFE Holdings und der Baumaschinenhersteller Komatsu gehören zu der langen Liste der Firmen, die am stärksten von der Abwertung profitieren dürften.