Magazin - Draghi widerspricht Schäuble in Zypern-Debatte heftig

Sonntag, 27. Januar 2013, 12:55 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat sich in der Debatte über Hilfen für Zypern einem Medienbericht zufolge den Unmut des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) zugezogen.

EZB-Chef Mario Draghi habe beim jüngsten Finanzministertreffen Anfang vergangener Woche der Einschätzung Schäubles widersprochen, die Inselrepublik sei nicht "systemrelevant", eine Pleite des Landes bedeute also keine Gefahr für das Überleben der Euro-Zone. Draghi habe daraufhin gesagt, so etwas höre er allerorten von Juristen. Die Frage, ob Zypern systemrelevant sei oder nicht, sei aber keine, die Juristen beantworten könnten. Das sei Sache von Ökonomen. Schäuble ist promovierter Jurist.

Unterstützung bekam Draghi dem Blatt zufolge von EU-Währungskommissar Olli Rehn sowie dem Chef des Europäischen Rettungsschirms ESM, Klaus Regling. Das Trio habe Schäuble entgegengehalten, dass die beiden größten Banken Zyperns ein ausgedehntes Filialnetz in Griechenland unterhielten. Wären ihre Einlagen nicht mehr sicher, könne die Verunsicherung der Sparer schnell wieder auf griechische Banken überspringen. Griechenland drohe damit ein ernsthafter Rückfall. Zudem würde eine Pleite Zyperns die positiven Nachrichten zunichtemachen, die in jüngster Zeit für eine Beruhigung in der Euro-Zone gesorgt hätten, argumentierten Draghi und seine Kollegen dem Blatt zufolge. Alle Zeichen stünden seit Wochen auf Besserung. Diese Erholung könne sich wieder umkehren, würde Zypern der Geldhahn zugedreht.

 
European Central Bank (ECB) President Mario Draghi attends the annual meeting of the World Economic Forum (WEF) in Davos January 25, 2013. REUTERS/Denis Balibouse