Einzelhandel erwartet schwächstes Wachstum seit 2009

Donnerstag, 31. Januar 2013, 15:26 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Trotz Rekordbeschäftigung, steigender Löhne und boomender Internet-Geschäfte erwarten die deutschen Einzelhändler in diesem Jahr das kleinste Umsatzplus seit 2009.

Die Einnahmen werden um 1,0 Prozent auf 432 Milliarden Euro zulegen, sagte der Branchenverband HDE am Donnerstag voraus. Und auch das nur durch Preiserhöhungen. Im Vorjahr betrug der Zuwachs noch 1,5 Prozent, nach 2,6 Prozent 2011 und 2,0 Prozent 2010. "Der Start ins neue Jahr verlief recht verhalten", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in Berlin.

Bereits im wichtigen Weihnachtsgeschäft klingelten die Kassen nicht wie erwartet. Statt des erwarteten Wachstums von 1,5 Prozent für November und Dezember schrumpften die Einnahmen um 0,7 Prozent. "Dem Weihnachtsgeschäft fehlte der Schwung", sagte Genth. "Wir hatten mit einer besseren Entwicklung gerechnet." Nach Daten des Statistischen Bundesamtes - das im Unterschied zum HDE neben dem klassischen Einzelhandel etwa auch Apotheken und Brennstoffhandel berücksichtigt - brach der Umsatz im Dezember mit 2,0 Prozent so stark ein wie seit über anderthalb Jahren nicht mehr. "Die Verbraucher halten ihre Portemonnaies geschlossen", sagte Ökonom Christian Schulz von der Berenberg Bank.

"DAS SIND KONSUMKILLER"

Die Händler machen dafür steigende Energiekosten mitverantwortlich. "Das sind die Konsumkiller", sagte Genth. Haushaltsenergie habe sich seit 2005 um 44 Prozent verteuert. Das habe den Konsumenten Kaufkraft in erheblichen Maße entzogen. Teure Energie treffe auch direkt die Unternehmen. Allein für den Ausbau erneuerbarerer Energien müssten sie in diesem Jahr 800 Millionen Euro mehr bezahlen. Für einen durchschnittlichen Supermarkt steige die Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz von 17.000 auf 28.000 Euro.

Während viele stationäre Händler unter der Kaufzurückhaltung der Verbraucher leiden, boomt das Online-Geschäft. 2013 soll es um zwölf Prozent auf 33,1 Milliarden Euro steigen. Jeder fünfte stationäre Händler habe inzwischen einen Online-Store. Der weltgrößte Online-Händler Amazon steigerte seinen Betriebsgewinn im vierten Quartal um 56 Prozent.

BEDEUTUNGSVERLUST

Der Einzelhandel ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland. Er beschäftigt nach HDE-Angaben drei Millionen Mitarbeiter, davon gut 900.000 Mini-Jobber. Die Bedeutung des Einzelhandels für die Volkswirtschaft hat seit den neunziger Jahren allerdings deutlich abgenommen. Machte er damals noch 42 Prozent der privaten Konsumausgaben aus, so sind es heute nur noch 28 Prozent. Grund dafür ist, dass die Deutschen deutlich mehr Geld für Gesundheit, Altersvorsorge, Wohnen und Telekommunikation ausgeben als noch vor 20 Jahren - zulasten des Einzelhandels. Der gesamte private Konsum macht rund 58 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung von rund 2,65 Billionen Euro aus.

 
General view of a shopping mall in the western town of Essen September 11, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS)