Euro-Wirtschaft holt auf - Frankreich fällt zurück

Dienstag, 5. Februar 2013, 14:23 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Frankreich fällt bei der Konjunkturerholung in der Euro-Zone immer stärker hinter Deutschland zurück.

Die Privatwirtschaft im Währungsraum machte zum Jahresstart einen weiteren Schritt nach vorn aus der Rezession heraus, wie das Markit-Institut zur Umfrage unter 5000 Firmen am Dienstag mitteilte. "Angesichts der spürbar abgeschwächten Talfahrt war die Euro-Zone im Januar weiter auf dem Weg der Erholung und näherte sich der Stabilisierung im ersten Quartal 2013 sogar deutlich an", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. "Allerdings ist die Kluft zwischen der Wachstumslokomotive Deutschland und dem schwächelnden Frankreich momentan so groß wie nie seit Umfragebeginn 1998."

Deutschland schaffte im Januar demnach das stärkste Wirtschaftswachstum seit knapp eineinhalb Jahren, während Frankreich so tief in der Krise steckte wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone schnitt den Experten zufolge sogar noch erheblich schlechter ab als die rezessionsgeplagten Krisenländer Spanien und Italien.

Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft in der Euro-Zone kletterte im Januar - nach endgültigen Berechnungen - um 1,4 auf 48,6 Punkte. Damit bleibt das Barometer, das Industrie und Dienstleister zusammenfasst, jedoch unter der 50-Punkte-Marke, ab der es Wachstum signalisiert. Zum Vergleich: In Frankreich sackte der Index auf das 46-Monats-Tief von 42,7 Zählern, in Deutschland gab es mit 54,4 Punkten den höchsten Stand seit Juni 2011. Im gesamten Euro-Raum sanken die Aufträge so gering wie zuletzt vor gut einem Jahr. Dennoch strichen die Unternehmen den 13. Monat in Folge Jobs.

DEUTSCHLANDS DIENSTLEISTER MIT SIEBEN-MEILEN-STIEFELN

In Deutschland legten die Servicefirmen einen glänzenden Start ins Jahr hin. Ihre Geschäfte liefen im Januar ebenfalls so gut wie seit Juni 2011 nicht. Der Einkaufsmanagerindex sprang um 3,7 auf 55,7 Punkte. Zudem blickten die Firmen so optimistisch nach vorn wie zuletzt im Mai 2012. "Die Januar-Umfrage zeigt deutlich, wie stark sich der Abschwung der deutschen Wirtschaft zu Jahresbeginn in einen Aufwärtstrend gewandelt hat", sagte Markit-Experte Tim Moore. Denn Ende 2012 war das Bruttoinlandsprodukt mit 0,5 Prozent so stark gesunken wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 nicht. Vor allem die Industrie hatte die Folgen der Schuldenkrise und der globalen Konjunkturabkühlung hart zu spüren bekommen. Im Januar schaffte der Sektor nach Markit-Einschätzung jedoch die Trendwende.

MASCHINENBAUER: TIEFPUNKT LIEGT HINTER UNS

Auch die deutschen Maschinenbauer wittern nach einem Auftragsplus im Dezember Morgenluft. "Das bestätigt unsere Annahme, dass wir den Tiefpunkt hinter uns haben", sagte Ralph Wiechers, Chefvolkswirt beim Branchenverband VDMA, der Nachrichtenagentur Reuters. Vor allem das Orderplus aus den krisengeschüttelten Euro-Partnerländern mit 15 Prozent sorge für Zuversicht. Das Auftragsminus von drei Prozent im Gesamtjahr 2012 bezeichnete Wiechers wegen des schwierigen globalen Umfelds als "durchaus respektables Ergebnis".

In der ostdeutschen Industrie stehen die Zeichen ebenfalls auf Besserung. Gut die Hälfte der Betriebe erwartet steigende Umsätze, je ein Viertel rechnet mit Stagnation oder sinkenden Einnahmen, wie aus einer Umfrage des Institutes für Wirtschaftsforschung Halle hervorgeht. Unterm Strich wollen die Firmen Personal einstellen.