Aufträge aus Euro-Zone beflügeln deutsche Industrie

Mittwoch, 6. Februar 2013, 14:48 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die deutsche Industrie hat das Jahr 2012 mit einem Auftragsplus abgeschlossen und stellt sich auf eine baldige Konjunkturerholung ein.

Vor allem eine deutlich anziehende Nachfrage aus der Euro-Zone sorgte dafür, dass die Firmen im Dezember 0,8 Prozent mehr Bestellungen an Land zogen als im Vormonat. Das Bundeswirtschaftsministerium rechnet nach den Daten vom Mittwoch mit einem "absehbaren Ende der Schwächephase der Industriekonjunktur". Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Wirtschaft Anfang des neuen Jahres wieder wächst. "Diese neuen Daten sind ein weiterer Beleg dafür, dass die deutsche Industrie einen Wendepunkt erreicht hat", sagte Analyst Carsten Brzeski von der ING-Bank.

Ende 2012 war das deutsche Bruttoinlandsprodukt mit 0,5 Prozent so stark gesunken wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Zuletzt gab es jedoch Signale, dass die Wirtschaft wieder Schwung aufnimmt. Treibende Kraft sind die Dienstleister, aber auch bei vielen Industriebetrieben geht es wieder aufwärts. "Nach einem schwachen vierten Quartal 2012 dürfte die Wirtschaft bereits in den ersten Monaten dieses Jahres wieder deutlich gewachsen sein", sagte Commerzbanker Ralph Solveen.

NACHFRAGE AUS EURO-ZONE ZIEHT KRÄFTIG AN

Während die Binnennachfrage im Dezember um 1,2 Prozent sank, kletterten die Industrieaufträge aus dem Ausland um 2,4 Prozent. Hauptgrund hier war das kräftige Plus von sieben Prozent aus Ländern der Euro-Zone. Die Produzenten von Investitionsgütern wie Maschinen und Anlagen verbuchten ein Plus von 3,6 Prozent. Hier schnellte die Nachfrage aus dem Währungsraum ebenfalls mit fast zwölf Prozent weit nach oben. Die Konsumgüterhersteller erzielten einen Zuwachs von 1,7 Prozent, lediglich die Hersteller von Vorleistungsgütern wie Chemikalien meldeten ein Auftragsminus von 3,6 Prozent.

Experten sehen die Euro-Zone auf dem Weg aus der Rezession - wenn auch mit Trippelschritten. Das Ifo-Barometer für das Wirtschaftsklima in dem Währungsraum im ersten Vierteljahr 2013 stieg nach zwei Rückgängen in Folge. "Ein Silberstreif am Horizont ist erkennbar", sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Die befragten Fachleute beurteilten zwar die Lage erneut schlechter. Die Erwartungen für die nächsten sechs Monate fielen aber vermehrt positiv aus und erreichten den höchsten Stand seit fast zwei Jahren.

Auf bessere Stimmung bei den Handelspartnern hofft nach einer Sparkassen-Umfrage auch der Mittelstand. Dessen Betriebe zögern wegen der Unsicherheit noch mit Investitionen, stehen aber in den Startlöchern. "Der Mittelstand verhält sich zurzeit eher abwartend", sagte Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon. "Wenn der Knoten aber platzt, ist ein Wirtschaftswachstum von gut einem Prozent in 2013 durchaus möglich."

Auch die gebeutelte Stahlbranche wittert wieder Morgenluft. Von Oktober bis Dezember 2012 stiegen die Bestellungen nach einer langen Durststrecke wieder. Der Branchenverband setzt darauf, dass der positive Auftragstrend erst einmal anhält.

 
A worker is pictured at the production of steering gears at a plant of Germany's industrial conglomerate ThyssenKrupp AG in the western city of Muelheim January 16, 2013. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS INDUSTRIAL)