Reallöhne steigen 2012 das dritte Jahr in Folge

Donnerstag, 7. Februar 2013, 13:44 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Trotz der Konjunkturabkühlung sind die Löhne in Deutschland 2012 zum dritten Mal in Folge gestiegen.

Nach Abzug der Inflation hatten die Arbeitnehmer 0,6 Prozent mehr in der Tasche - allerdings fiel das Plus geringer aus als in den Boomjahren 2010 und 2011, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Für die Wirtschaft ist der Reallohnanstieg eine gute Nachricht, weil steigende Einkommen den Konsum beflügeln. Der kommende britische Notenbankchef Mark Carney sagte vor einem Parlamentsausschuss in London, ein Anstieg der Löhne in Deutschland könne zur Entspannung der Euro-Krise beitragen. Ähnlich hatte sich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger geäußert, der für die anstehende Tarifrunde ein Plus über alle Branchen hinweg von fünf Prozent vorgeschlagen hatte.

ÖKONOMEN STREITEN ÜBER FOLGEN VON LOHNERHÖHUNGEN

Andere Experten - und natürlich die Arbeitgeber - warnen jedoch vor weiteren starken Lohnerhöhungen, weil das die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie belasten würde. Für die anlaufenden Tarifgespräche haben die Gewerkschaften für verschiedene Branchen 5,0 bis 6,6 Prozent mehr Lohn und Gehalt gefordert. Im öffentlichen Dienst der Länder etwa will Verdi 6,5 Prozent mehr Geld durchsetzen. Der neue DIW-Chef Marcel Fratzscher warnte aber davor, die Löhne übermäßig zu erhöhen. Wichtig sei, eine Balance zwischen dem Ziel der Vollbeschäftigung und einer an der Produktivität orientierten Anpassung der Löhne zu finden, sagte er kürzlich im Reuters-Interview. Auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann kritisierte zu hohe Aufschläge, weil dies das Wachstum belaste und zudem die Inflation hochtreibe.

Nominal zogen die Löhne 2012 um 2,6 Prozent an, dabei beschleunigte sich der Anstieg im Jahresverlauf. Nach Abzug der Inflation von 2,0 Prozent blieb den Verbrauchern dann noch ein kleines Plus im Geldbeutel. 2010 und 2011 waren die Reallöhne allerdings mit 1,5 und 1,0 Prozent noch stärker gestiegen.