Französische Industrie schwach - EZB fordert Etat-Disziplin

Montag, 11. Februar 2013, 13:20 Uhr
 

Paris (Reuters) - Die Wirtschaft in Frankreich hat Ende 2012 noch keine Trendwende geschafft.

Die Unternehmen drosselten ihre Produktion im Dezember um 0,1 Prozent zum Vormonat, teilte das Statistikamt Insee am Montag in Paris mit. Wie sehr die Betriebe unter der Euro-Schuldenkrise und der globalen Konjunkturabkühlung leiden, zeigt der Vergleich auf lange Sicht: Binnen Jahresfrist fuhren sie ihren Ausstoß um gut drei Prozent zurück. Die Industrie verzeichnete hier sogar ein Minus um fast vier Prozent. Die Europäische Zentralbank appellierte an die Regierung in Paris, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft zu verbessern statt auf eine aktive Wechselkurspolitik zu setzen. "Der Kern des Problems liegt im Land und nicht beim Wechselkurs", sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem "Handelsblatt".

Mehrere Konjunkturbarometer hatten jüngst gezeigt, dass Frankreich hinter Wachstumsmotor Deutschland zurückfällt, während sich die Euro-Zone mühsam aus der Rezession herausarbeitet. Zum Jahresauftakt liefen die Geschäfte der französischen Privatwirtschaft so schlecht wie zuletzt 2009 - in Deutschland hingegen gab es der Markit-Umfrage zufolge das stärkste Plus seit Mitte 2011. Frankreichs Industrie konnte sich nach Daten der Insee-Statistiker dem Abwärtstrend etwas entziehen und fuhr ihre Produktion von November auf Dezember um 0,1 Prozent nach oben, die Baubranche meldete ein Plus von 1,2 Prozent. Bergbauunternehmen und Versorger verringerten ihren Ausstoß dagegen um 0,9 Prozent. Für die Exporteure aus der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone läuft es derzeit auch nicht gerade rosig.

Frankreichs Präsident Francois Hollande hatte angesichts eines kräftigen, wenn auch nur vorübergehenden, Kursanstiegs des Euro eine aktive Wechselkurspolitik im Euro-Raum gefordert. EZB-Chef Mario Draghi hatte daraufhin erklärt, man werde den Euro-Kurs genau beobachten - was diesen zunächst auf Talfahrt schickte. Traditionell sind die Franzosen in der Euro-Zone eher für eine schwache und die Deutschen für eine starke Währung. Deshalb war Hollande in den vergangenen Tagen auf Widerstand aus Berlin gestoßen. Die EZB ist traditionell gegen eine aktive Wechselkurspolitik. Der französische Finanzminister Pierre Moscovici bekräftigte am Montag, die Länder der Euro-Zone benötigten eine engere Abstimmung bei der Wechselkurspolitik.

Asmussen rief die Regierung in Paris auf, die Ziele bei der Haushaltskonsolidierung einzuhalten. "Es ist extrem wichtig, dass Frankreich in diesem Jahr seine Zusage erfüllt, das Defizit bei der Neuverschuldung unter drei Prozent zu senken." Er vertraue darauf, dass die Regierung die notwendigen Maßnahmen dafür umsetze. "Und sollten Prognosen darauf hindeuten, dass der Zielwert verfehlt wird, ist es im eigenen Interesse der Regierung in Paris, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen."

Rückenwind von der Konjunktur kann Hollande kaum erwarten. Denn der Internationale Währungsfonds (IWF) etwa traut Frankreich 2013 nur ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent zu.