Japan steckt trotz Geldschwemme weiter in Rezession fest

Donnerstag, 14. Februar 2013, 16:19 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Japan ist trotz der extrem lockeren Geldpolitik seiner Notenbank noch nicht aus der Rezession herausgekommen.

Das Bruttoinlandsprodukt sank im vierten Quartal 2012 überraschend um 0,1 Prozent, wie die Regierung am Donnerstag mitteilte. Wegen des deutlich abgewerteten Yen - eine Folge der umstrittenen Geldschwemme - wird aber bald mit Besserung gerechnet. Notenbankchef Masaaki Shirakawa verteidigte seinen Kurs: Die getroffenen Maßnahmen seien bestimmt, die hartnäckige Deflation zu bekämpfen, nicht die Währung zu schwächen. "Wir werden das fortsetzen." Bei dem ab Freitag anstehenden Treffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Moskau wird er sich dafür aber trotzdem scharfe Kritik anhören müssen.

Von Reuters befragte Experten hatten Japan zum Jahresende ein Wachstum von 0,1 Prozent zugetraut. Wirtschaftsminister Akira Amari geht allerdings davon aus, dass sich dank Konjunkturprogrammen und der schneller rotierenden Notenpresse eine baldige Erholung einstellen wird. Angesichts der jüngsten Talfahrt des Yen - knapp 20 Prozent gegenüber dem Dollar seit November - und der damit verbundenen verbesserten Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure sieht auch die Notenbank Licht am Ende des Tunnels: "Die japanische Wirtschaft hat offenbar die Talsohle erreicht."

Die Währungshüter beschlossen zudem, den Leitzins zwischen null und 0,1 Prozent zu belassen und ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren nicht auszudehnen. Der neue Ministerpräsident Shinzo Abe hat Ende 2012 sein Amt mit dem Versprechen angetreten, das Land aus der Deflationsfalle - einer Spirale aus sinkenden Preisen und schrumpfender Wirtschaft - herauszuführen. Unter dem Druck der Regierung hat die Notenbank ihr Inflationsziel schon auf zwei von einem Prozent nach oben gesetzt und will die Notenpresse noch stärker rotieren lassen - ab nächstem Jahr will sie sogar unbegrenzt Anleihen aufkaufen.

Diese Politik hat dem Land international den Ruf eingebracht, den Außenwert seiner Währung gezielt zu drücken und sich damit Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Die Weltbank warnte bereits vor einem heraufziehenden Währungskrieg und hat damit die EZB auf den Plan gerufen. Wer das Wort Währungskrieg in den Mund nehme, beschwöre damit womöglich noch "etwas Schlimmeres" herauf, mahnte EZB-Vizechef Vitor Constancio in Brüssel: "Der Eurokurs ist Schwankungen unterworfen. Die Situation ist so, wie sie ist."

Notenbankchef Shirakawa will seine Geldpolitik nun noch einmal in Ruhe den G20-Ländern erklären. Das asiatische Land hat sich bereits in einer Erklärung der sieben führenden Industrienationen zu freien Wechselkursen bekannt.

STAR-INVESTOR SOROS WETTET GEGEN YEN

Immer mehr japanische Firmen profitieren unterdessen von der Yen-Abwertung. So wies der Getränke-Hersteller Asahi Rekorde bei Umsatz und Gewinn aus, was die Aktionäre am Donnerstag entzückte. Zuletzt hatten schon die Schwergewichte Sony und Toyota geglänzt. Der Elektronik-Konzern kämpfte sich dank des schwächeren Yen zurück in die Gewinnzone. Der gerade an die Weltspitze zurückgekehrte Auto-Hersteller hob sein Gewinnziel an, weil der Absatz brummt. Beide Konzerne machen den Großteil ihres Geschäfts im Ausland.

Einer der Nutznießer scheint auch US-Starinvestor George Soros zu sein. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge hat er mit seinen Fonds auf eine Abschwächung des Yen gewettet und damit Erfolg gehabt. Er habe rund eine Milliarde Dollar verdient, hieß es in dem Blatt unter Berufung auf Personen, die mit den Soros-Investments vertraut sind. Soros hatte in den 1990er-Jahren erfolgreich gegen das britische Pfund spekuliert und war damit reich geworden.