Moderater Kandidat Favorit für Japans Notenbankspitze

Freitag, 15. Februar 2013, 12:21 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Das international wegen seiner aggressiven Geldpolitik in die Kritik geratene Japan ist bei der Suche nach einem neuen Notenbankchef offenbar fündig geworden.

Als heißer Anwärter auf die Nachfolge des scheidenden Amtsinhabers Masaaki Shirakawa gilt der frühere Spitzenbeamte im Finanzministerium, Toshiro Muto, wie Reuters am Freitag erfuhr. Der 69-jährige hat einen Ruf als geschickter Verhandler und Befürworter einer lockeren Geldpolitik, die er jedoch nicht radikal ausreizen will. Sollte der Vertreter der relativ gemäßigten Linie Shirakawa beerben, wäre dies ein Signal, dass Regierungschef Shinzo Abe auf politischen Konsens setzt und in Sachen Geldpolitik international nicht noch stärker anecken möchte.

Der Yen stieg und der Aktienmarkt in Tokio reagierte mit Kursverlusten auf die Aussicht, dass die japanische Zentralbank die Geldschleusen voraussichtlich nicht noch weiter öffnen wird als ohnehin geplant. Der Regierungschef wird wohl in den kommenden Tagen das Geheimnis lüften, wen er für den am 19. März freiwerdenden Chefposten der Bank of Japan (BoJ) nominieren will. BoJ-Gouverneur Shirakawa scheidet vorzeitig aus dem Amt, da er mit Abe überkreuz liegt. Der Ministerpräsident hatte die Notenbank unter Druck gesetzt, mit einer Geldschwemme den Kampf gegen die Deflation - also die Spirale aus fallenden Preisen und nachlassender Investitionsneigung - zu forcieren.

ABE MUSS ECHO IM AUSLAND BEDENKEN

Abe hat angekündigt einen Nachfolger auszuwählen, der die lockere Geldpolitik noch "beherzter" angeht. Doch muss er bei seiner Personalauswahl das Echo im In- und Ausland bedenken. Beim Treffen der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer G20 in Moskau an diesem Wochenende ist die japanische Geldpolitik bereits Gesprächsthema. Mit der Geldschwemme hat Japan eine Talfahrt der Landeswährung Yen angeschoben, die dem Land auf den internationalen Märkten Handelsvorteile verschafft. Dies hat die Furcht vor einem internationalen Abwertungswettlauf der großen Währungen aufkommen lassen.

Im Kandidatenfeld für die Nachfolge Shirakawas gibt es auch Vertreter einer radikalen geldpolitischen Linie, wie sie etwa der Ökonomieprofessor Kikuo Iwata propagiert: Demnach sollte die Notenbank auch ausländische Devisenbestände aufkaufen: "Wir können uns nicht vorstellen, dass Muto einen so weitgehenden Schritt unternehmen würde, der die Talfahrt des Yen noch beschleunigen würde", sagte Ökonom Norihiro Fujito von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. Muto selbst hat bereits davor gewarnt, die Notenpresse zu rasch rotieren zu lassen. Dieser Schuss könne nach hinten losgehen und dazu führen, dass die Investoren kalte Füße bekämen und höhere Zinsen für japanische Staatsanleihen forderten, mahnte Muto, der zurzeit die Denkfabrik Daiwa Institute of Research führt.

Selbst wenn Abe womöglich einen Befürworter einer radikaleren Linie bevorzugen sollte, muss er sich an das politisch Machbare halten. Denn für die Bestätigung seines Kandidaten benötigt er die Zustimmung beider Kammern des Parlaments. Im Oberhaus fehlt seiner Liberaldemokratischen Partei eine Mehrheit, sodass Abe auf Kooperation der Opposition angewiesen ist. Die größte Oppositionspartei DPJ hat bereits angedeutet, dass sie einen moderaten Kandidaten wie Muto unterstützen könnte. Doch sicher sein kann sich Muto nicht. Er gilt als gebranntes Kind: Bereits 2008 stand er kurz vor der Nominierung als Notenbankchef. Doch der Posten ging an Shirakawa, da die Opposition Muto durchfallen ließ. Und dies, obwohl er bereits fünf Jahre Vize-Gouverneur war.