Bundesbank warnt vor zu starken Lohnerhöhungen

Montag, 18. Februar 2013, 12:42 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Mitten in der laufenden Tarifrunde warnt die Bundesbank vor überzogenen Lohnerhöhungen.

Stiegen die Gehälter stärker als es die Produktivität zulasse, würden Firmen Jobs abbauen und umgehend weniger investieren, teilte die Bundesbank am Montag in ihrem Monatsbericht mit. Stark anziehende Löhne würden die Nachfrage der Verbraucher nur vorübergehend ankurbeln, betonten die Bundesbank-Experten unter Berufung auf eine Modellrechnung. "Denn den Lohnsteigerungen der Arbeitnehmer stehen Einkommenseinbußen jener gegenüber, die ihre Arbeitsplätze verloren haben." Langfristig würden die real verfügbaren Einkommen und der private Konsum "sogar merklich unter der Last des Beschäftigungsabbaus" sinken. Letztlich würde dies die Binnennachfrage und die gesamte Wirtschaftskraft bremsen.

Anfang des Jahres hatte sich der Wirtschaftsweise Peter Bofinger für pauschale Lohnerhöhungen um fünf Prozent über alle Branchen hinweg ausgesprochen. Deutschland könne damit zur Stabilisierung der Euro-Zone beitragen und die Wettbewerbsposition der Krisenländer stärken, argumentiert der Würzburger Professor. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte dem bereits umgehend widersprochen: "Es gäbe ein Strohfeuer bei Einkommen und Konsum, aber die Unternehmen würden auch weniger investieren und zudem Beschäftigte entlassen."

MODELLRECHNUNG: EURO-LÄNDER WÜRDEN NICHT PROFITIEREN

Die Bundesbank kommt in ihrer Modellrechnung ferner zum Ergebnis, dass positive Effekte auf die Euro-Partnerländer ausblieben. "Zu beachten ist, dass selbst ein spürbarer Anstieg des deutschen Einfuhrvolumens keine entsprechend große Verbesserung der außenwirtschaftlichen Positionen der Peripherieländer zur Folge hätte." Vielmehr seien negative Folgen zu erwarten. Denn wegen des Kosten- und Preisauftriebs in Deutschland müsste wohl die Europäische Zentralbank die geldpolitischen Zügel wieder leicht anziehen. Kurz- und langfristige Zinsen würden in der Euro-Zone steigen und die Konjunkturentwicklung in einzelnen Ländern bremsen. "Zudem wird der Schock über eine Aufwertung des Euro auf den Rest der Welt übertragen", heißt es. Notenbanken in Drittstaaten könnten dann die Zinsen anheben, "wodurch auch dort die gesamtwirtschaftliche Erzeugung in Mitleidenschaft gezogen wird".

DEUTSCHE LOHNZURÜCKHALTUNG ALS VORBILD FÜR KRISENLÄNDER

Deutschland hat nach Einschätzung der Bundesbank mit maßvoller Lohnpolitik in den vergangenen Jahren gute Erfahrung gemacht. Deshalb sei dies ein wichtiger Baustein im Anpassungsprozess der Euro-Krisenländer. Denn es gehe nicht so sehr darum, preisliche Wettbewerbsvorteile auf internationalen Märkten zu erringen - sondern vielmehr darum, "die Beschäftigungsschwelle des gesamtwirtschaftlichen Wachstums zu senken und der grassierenden Arbeitslosigkeit Herr zu werden".

 
A sign is seen outside the headquarters Germany's federal bank Deutsche Bundesbank in Frankfurt, February 4, 2013. REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY - Tags: BUSINESS POLITICS)