Steigende Importe bescheren Japan Rekord-Handelsdefizit

Mittwoch, 20. Februar 2013, 17:32 Uhr
 

Tokio (Reuters) - Die Abwertung des Yen hinterlässt Spuren in der Handelsbilanz Japans.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft Asiens meldete am Mittwoch für Januar ein Rekord-Handelsdefizit. Der Fehlbetrag kletterte vor allem wegen teurer Energie-Importe auf umgerechnet knapp 13 Milliarden Euro (1,6 Billionen Yen), wie das Finanzministerium mitteilte. Wegen des heimischen Energieengpasses nach der Atomkatastrophe von Fukushima musste das Land Energie importieren und dafür wegen des billigeren Yen für Produkte in Dollar mehr bezahlen. Zugleich stiegen aber auch die Exporte, begünstigt von den günstigeren Ausfuhren. Japanische Firmen verkauften erstmals seit acht Monaten wieder mehr ins Ausland.

Die Ausfuhren stiegen im Januar den Angaben nach um 6,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit stärker als erwartet. Die Einfuhren legten mit 7,3 Prozent noch deutlicher zu - so stark wie seit Mai nicht mehr und deutlich stärker als von Reuters befragte Analysten erwartet hatten.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat sich zum Ziel gesetzt, die lähmende Deflation zu überwinden und das Land wieder zu kräftigerem Wachstum zu führen. Dabei setzt er auf Maßnahmen, die den Wechselkurs des Yen drücken, und ist mit dieser Strategie international in die Kritik geraten. Das Thema dominierte das jüngste G20-Treffen in Moskau. Ein offener Streit über die Währungspolitik wurde aber bewusst vermieden. Seit Mitte November hat die japanische Währung zum Dollar 16 Prozent an Wert verloren und ist derzeitig so billig wie seit fast drei Jahren nicht mehr.

Experten gehen davon aus, dass Japan aber noch eine Weile ein Handelsdefizit erhalten bleibt. Ohne Reformen werde die Wirtschaft nicht auf die Beine kommen, so die einhellige Meinung. Eine Aufwertung der Währung allein werde nicht ausreichen. Unterstützung von den Unternehmen kann die Regierung im Kampf gegen die Deflation vorerst nicht erwarten. Nennenswerte Einkommenssteigerungen zeichnen sich nicht ab.

- von Stanley White und James Topham

 
A container is loaded on a cargo ship at a port in Tokyo February 20, 2013. Japan's trade deficit widened to a record in January as energy imports jumped, highlighting a risk of trying to revive the country's export engine through policies that could weaken the currency without also pursuing broader economic reforms. REUTERS/Yuya Shino (JAPAN - Tags: BUSINESS MARITIME)