Bofinger verteidigt Lohnvorschlag gegen Bundesbank-Kritik

Mittwoch, 20. Februar 2013, 19:05 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat seine Forderung nach einem kräftigen Lohnzuschlag in Deutschland gegen Kritik der Bundesbank verteidigt.

"Wenn Reallohn-Erhöhungen den Verbrauch nicht ankurbeln, weiß ich nicht, was man noch machen sollte", sagte der Würzburger Wirtschaftsprofessor am Mittwoch in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Das "Leitland der Währungsunion" liefere den Krisenländern zu wenig Impulse, und der private Konsum sei hierzulande ohnehin ein Schwachpunkt, konterte Bofinger Kritik der Bundesbank. Diese warnte, seine Pläne entfachten allenfalls ein Strohfeuer bei Einkommen und Konsum. Die Firmen würden aber letztlich mit Entlassungen und Investitionszurückhaltung auf einen solchen Kostenschock reagieren.

Bofinger hat vorgeschlagen, dass es in der anstehenden Lohnrunde Gehaltssteigerungen über alle Branchen hinweg von fünf Prozent geben soll. Nur drei Prozentpunkte ergeben sich demnach aus dem Produktivitätszuwachs, die übrigen beiden Prozentpunkte sieht der Berater der Bundesregierung als "Euro-Bonus". Davon sollen die Krisenländer der Euro-Zone "durch eine interne Aufwertung in Deutschland" profitieren.

"DATEN AUS EURO-ZONE KATASTROPHAL"

Die vorliegenden konjunkturellen Daten aus der Euro-Zone sind aus Bofingers Sicht "katastrophal". Abzulesen sei dies etwa an den Autozulassungen im Januar, die noch schlechter als zu Hochzeiten der Krise Anfang 2009 ausfielen. Auch die Verschärfung der Finanzkrise in Spanien mit einer neuen Mega-Pleite im Immobiliensektor werfe ein Schlaglicht auf die prekäre Lage. Bofinger hält es für ein Kernproblem, dass Deutschland als die stärkste Volkswirtschaft der Euro-Zone keine Wachstumsimpulse liefere: "Da muss sich Deutschland fragen lassen, wie es einen positiven Beitrag leisten kann, damit die Länder aus der Krise kommen."

Dennoch leiste sich Deutschland eine merkwürdige Diskussion: "Wenn der Euro aufwertet, sagt die Bundesbank, das sei kein Problem. Wenn Vorschläge für eine zweiprozentige Lohnerhöhung kommen, heißt es, das führt zu Entlassungen", sagte Bofinger. Der seit März 2004 dem Sachverständigenrat der Bundesregierung angehörende Wirtschaftsexperte argumentiert, zu D-Mark-Zeiten wäre "eine Aufwertung in der jetzigen Situation ganz normal". Sein Vorschlag sei als Ersatzmodell in der Euro-Ära gedacht. Die deutsche Wirtschaft könnte einen "Euro-Bonus" in der Lohnrunde gut verkraften, da noch immer sehr viele positive Effekte der Lohnzurückhaltung von 2000 bis 2007 nachwirkten.

BUNDESBANK SIEHT KEINE POSITIVEN EFFEKTE FÜR SÜDLÄNDER

Die Bundesbank bleibt jedoch bei ihrer Kritik. Vorstand Andreas Dombret warnte in Berlin davor, dass sich Deutschland mit einer relativen Schwächung seiner Wettbewerbsfähigkeit ins eigene Fleisch schneiden würde. Die Frankfurter Notenbanker haben die Auswirkungen des Bofinger-Modells auf die Krisenländer der Euro-Zone zu berechnen versucht: "Der Effekt wäre praktisch null", resümierte Dombret. Die Handelsströme mit den Südländern seien so beschaffen, dass dort keine Impulse ankämen. Nur Irland könne dadurch eine "moderate Besserung" erwarten.

- von Reinhard Becker