Deutsche Industrie beendet Durststrecke -Frankreich nicht

Donnerstag, 21. Februar 2013, 17:39 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Nach einjähriger Pause wächst die deutsche Industrie wieder.

Vor allem dank anziehender Exportnachfrage lief es bei den Betrieben im Februar wieder deutlich besser. Der Einkaufsmanagerindex stieg um 0,3 auf 50,1 Punkte, wie das Markit-Institut am Donnerstag zur Umfrage unter Hunderten Firmen mitteilte. Das Barometer kletterte erstmals seit Februar 2012 über die Marke von 50 Punkten, ab der es Wachstum signalisiert. "Man kann sich wieder auf Deutschland als Wachstumslokomotive für die Euro-Zone verlassen", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Allerdings musste die gesamte Privatwirtschaft im Währungsraum einen Rückschlag hinnehmen: Sie beschleunigte ihre Talfahrt überraschend.

Der Einkaufsmanagerindex (PMI) für die Euro-Zone sank um 1,3 auf 47,3 Punkte, während Analysten mit einem Anstieg auf 49,0 Punkte gerechnet hatten. Industrie und Dienstleister schwächelten stärker als erwartet. "Dies deutet daraufhin, dass die Wirtschaftsleistung im Auftaktquartal 2013 zum vierten Mal in Folge schrumpfen dürfte", sagte Markit-Chefökonom Chris Williamson. Er rechnet mit einem Minus von 0,2 bis 0,3 Prozent. Ende 2012 schrumpfte die Wirtschaft in Deutschland und im Euro-Raum jeweils um 0,6 Prozent. In beiden Fällen war es der größte Rückgang seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009.

KLUFT ZWISCHEN DEUTSCHLAND UND FRANKREICH WÄCHST

Sorgen bereitet Experten, dass der wichtigste deutsche Handelspartner bei der mühsamen Erholung derzeit den Anschluss verliert. "Frankreich und Deutschland liegen aktuell so weit auseinander wie nie seit Beginn der PMI-Umfragen 1998", warnte Williamson. Frankreichs Rezession dürfte sich verschärfen. In Deutschland hingegen stehen die Zeichen auf Wachstum. Die Exportaufträge der Industrie stiegen so stark wie seit fast zwei Jahren nicht - vor allem dank anziehender Nachfrage aus Asien. Trotzdem bauten die Betriebe unterm Strich Stellen ab.

Auch die Dienstleister hierzulande wachsen - obwohl deren Index auf 54,1 Zähler fiel, nachdem im Januar mit 55,7 Punkten noch der beste Wert seit gut anderthalb Jahren erreicht worden war. Die Aufträge legten erneut zu, wenn auch nur noch leicht. Die Unternehmen blickten so zuversichtlich nach vorn wie seit Mitte 2011 nicht mehr. Die staatliche Förderbank KfW erwartet für den Jahresanfang einen Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 0,4 Prozent. "Die Wirtschaft macht bereits im ersten Quartal 2013 wieder Boden gut", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner. Auch die Bundesregierung sieht Zeichen für einen Aufwärtstrend. Positive Signale kämen aus der Industrie und vom privaten Konsum, schrieb das Finanzministerium in seinem Monatsbericht.

STEUERN SPRUDELN WEITER

Der positive Trend bei den Steuereinnahmen setzte sich im Januar fort. Bürger und Unternehmen überwiesen 40,2 Milliarden Euro an den Fiskus - 1,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. Wegen der weiter hohen Beschäftigung legten die Lohnsteuereinnahmen um 8,9 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro zu. Allerdings strich der Staat mit 15,5 Milliarden Euro 1,8 Prozent weniger aus den Umsatzsteuern ein. Insgesamt dürften Bund und Länder dieses Jahr fast 570 Milliarden Euro an Steuern einnehmen.