Fed-Banker spekulieren über Ausstieg beim Anleihen-Kauf

Freitag, 22. Februar 2013, 08:43 Uhr
 

New York/Dalls (Reuters) - Nach dem überraschenden Zweifel einiger US-Notenbanker am Sinn der lockeren US-Geldpolitik haben zwei führende Mitglieder der Fed ein Ausstiegs-Szenario für die Anleihen-Käufe skizziert.

James Bullard, Präsident der Notenbank von St. Louis, erklärte am Donnerstag, die US-Notenbank Fed könnte die Käufe in dem Maße zurückfahren, wie sich der Arbeitsmarkt bessere. Dabei sei von kleinen Schritten auszugehen, weil ein gravierender Aufschwung am Arbeitsmarkt nicht zu erwarten sei. Sein Kollege Richard Fisher von der Fed in Dallas äußerte sich ähnlich. Die Fed werde sich aus dem Aufkauf-Programm eher "herausschleichen" als es abrupt beenden, sagte Fisher der Nachrichtenagentur Reuters. Auch er sieht eine Besserung am Arbeitsmarkt als Bedingung für ein Aufkauf-Ende.

Aus dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll der Januar-Sitzung der Fed war hervorgegangen, dass einige Notenbanker Zweifel an Sinn und Wirksamkeit der extrem lockeren Geldpolitik haben und eine Drosselung oder Einstellung des Programms zum Anleihe-Aufkauf für möglich halten. Analysten interpretierten dies überwiegend als ersten Warnschuss für Anleger, die Idee eines vorzeitigen Endes der lockeren US-Geldpolitik in Betracht zu ziehen. Die weltweiten Aktienmärkte gaben deshalb teils kräftig nach. Die Fed hatte erst im Januar begonnen, Staatstitel und Immobilienpapiere im Volumen von 85 Milliarden Dollar pro Monat aufzukaufen, bis der Arbeitsmarkt aus dem Gröbsten heraus ist.

Fed-Mitglied Fisher sagte Reuters, aus seiner Sicht könne es schon in diesem Jahr zu einer Besserung am Arbeitsmarkt kommen und dann könne auch ein "Ausschleichen" aus dem Aufkauf-Programm erwogen werden. Fisher ist als Kritiker der Käufe bekannt und derzeit nicht in dem maßgeblichen Offenmarkt-Ausschuss der Fed stimmberechtigt. Seine Einschätzung ist oft weitab der Mehrheitsmeinung.

Gleichwohl sagten Fisher und Bullard unisono, die derzeit niedrige Inflationsrate in den USA mache es der Notenbank eher einfacher, den Anleihenaufkauf durchzuziehen, als es bei einer höheren Preissteigerungsrate der Fall wäre. Auch in der Einschätzung, dass es eher zu einem langsamen Auslaufen der Aufkäufe kommen wird als zu deren plötzlichen Ende waren sich beide einig. "Egal, ob sie Taube oder Falke sind, niemand (in der Fed) will das Programm radikal beenden", sagte Fisher. Als "Tauben" werden Notenbanker bezeichnet, die für eine eher laxe Geldpolitik stehen. "Falken" sind eher die Hardliner, die strikt gegen Inflation vorgehen.

Die Fed hat neben den Anleihe-Käufe auch den Leitzins seit langem auf nahe Null Prozent gesetzt, um die Wirtschaft in Gang zu bringen. Sie hat angekündigt, dies so lange beizubehalten, bis die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gesunken ist - einen nur moderaten Anstieg der Inflationsrate vorausgesetzt. Derzeit liegt die Arbeitslosenquote in den USA bei 7,9 Prozent.

 
Chairman of the Federal Reserve Ben Bernanke listens during an open meeting of the Board of Governors of the Federal Reserve System in Washington December 14, 2012. REUTERS/Kevin Lamarque (UNITED STATES - Tags: POLITICS BUSINESS) - RTR3BL11