Bundesbank denkt über Ausstieg aus Krisenmaßnahmen nach

Freitag, 22. Februar 2013, 08:23 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank macht den künftigen geldpolitischen Kurs davon abhängig, wie viele von den Notfallhilfen der EZB die Banken der Euro-Zone in den nächsten Wochen an die Zentralbank zurückgeben.

"Wenn die Überschussliquidität im Bankensystem deutlich zurückgeht, dann wäre es an der Zeit, sich über einen Ausstieg aus den krisenbedingten Sondermaßnahmen Gedanken zu machen", sagte das für Marktoperationen zuständige Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Nagel der Nachrichtenagentur Reuters.

Am Freitagmittag will die Europäische Zentralbank (EZB) bekanntgeben, wie viele Banken wie viele Milliarden aus einer rund 500 Milliarden schweren drei Jahre laufenden Geldspritze aus dem Februar 2012 vorzeitig an die Notenbanken der Euro-Zone zurückzahlen wollen. Von Reuters befragte Geldmarkthändler rechnen damit, dass die Institute rund 125 Milliarden Euro wieder bei der EZB abliefern. Bei der ersten Rückzahloption für ein vor Weihnachten 2011 aufgelegtes Refinanzierungsgeschäft über knapp 500 Milliarden Euro hatten Ende Januar 278 Banken 137,2 Milliarden Euro an die Zentralbank zurückgezahlt.

Notenbanker und Analysten hatten diese hohe Summe als Beleg dafür genommen, dass sich die Lage an den Finanzmärkten und im Bankensystem zuletzt deutlich entspannt hat. Allerdings ist davon auszugehen, dass sich nur stabile Banken vor allem aus den Kernländern der Euro-Zone an der Sondertilgung beteiligten, während etwa griechische Institute weiter am Tropf der EZB hängen und davon auf absehbare Zeit nicht loskommen dürften.

Bundesbank-Vorstand Nagel bleibt deshalb vorsichtig und will die Rundumversorgung der Zentralbanken für Europas Geldhäuser keinesfalls übereilt beenden: "Ich warne davor, die Krise trotz der seit einigen Monaten andauernden ruhigeren Phase an den Märkten für beendet zu erklären. Wann es konkret Zeit ist für den Exit, ist derzeit noch völlig unklar, dafür sind Märkte und Finanzsystem noch viel zu fragmentiert."

EZB-Präsident Mario Draghi hatte erst kürzlich erklärt, er erwarte, dass trotz der Sondertilgungen die Überschussliquidität im europäischern Bankensystem vorerst weit über 200 Milliarden Euro bleiben werde. Dieser von der EZB geschätzte hohe Bedarf an Liquidität bestätigt laut Draghi die weiter bestehende Notwendigkeit einer konjunkturstimulierenden Geldpolitik der EZB mit niedrigsten Zinsen und einer allumfassenden Versorgung der Banken mit Liquidität.

Nagel wollte sich im Gespräch mit Reuters nicht auf eine Summe für die überschüssige Liquidität festlegen, unterhalb der er die geldpolitische Schraube ein Stück weit zudrehen will. Er nannte auch keine konkrete Hausnummer für die erste Tranche der Rückzahlung des zweiten langlaufenden Refinanzierungsgeschäfts, die kommenden Mittwoch von den Banken bei der EZB gutgeschrieben wird.

- von Andreas Framke und Eva Kuehnen