Banken lösen sich nur zögerlich vom EZB-Geldtropf

Freitag, 22. Februar 2013, 15:48 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Weitere Banken der Euro-Zone lösen sich vom Tropf der EZB - allerdings zögerlicher als erwartet.

Wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Freitag in Frankfurt mitteilte, wollen kommenden Mittwoch 356 Institute rund 61,1 Milliarden Euro aus dem zweiten auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise angelegten Not-Topf im Rahmen einer Sondertilgung zurückzahlen. Analysten hatten damit gerechnet, dass etwa 120 bis 130 Milliarden Euro an die EZB zurückfließen. Ende Januar hatten bereits 278 Geldhäuser eine erste Gelegenheit zur Ablösung eines drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäfts genutzt und 137 Milliarden Euro überwiesen, die sie kurz vor Weihnachten 2011 von der EZB erhalten hatten. EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sieht die Rückzahlung als Zeichen der Normalisierung. Dies zeige, dass die Geldinstitute wieder unabhängiger vom EZB-Tropf seien, sagte der österreichische Nationalbankchef in Riga.

Die Zentralbank hatte den Instituten in zwei Tranchen insgesamt rund eine Billion Euro für drei Jahre zur Verfügung gestellt und ihnen die Option eingeräumt, schon nach einem Jahr schrittweise mit der Rückzahlung der Liquiditätshilfen zu beginnen. Analysten hatten damit gerechnet, dass viele Banken, vor allem aus den stabilen Ländern im Zentrum der Währungsunion, diese Möglichkeit nutzen. Sie kommen im Gegensatz zu Instituten in Griechenland oder Zypern inzwischen wieder ohne Probleme an Liquidität. Welche Banken konkret die zweite Rückzahlungswelle von Beginn an nutzen, blieb zunächst aber unklar, weil die EZB keine Namen nennt.

COMMERZBANK UND AAREAL BANK GEBEN HILFEN ZURÜCK

Zahlreiche Banken wollen nach eigenen Angaben die Gelegenheit kommende Woche nutzen, Langfrist-Mittel an die EZB zurückzugeben. So hat beispielsweise die Commerzbank angekündigt, am 28. Februar ihre 6,2 Milliarden Euro zu tilgen, die sie beim zweiten Tender (LTRO) aufgenommen hatte. Mit dem Geld wollte sie ihr Geschäft in Italien und Spanien gegen ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone wappnen. Auch die Aareal Bank will eine Milliarde Euro aus dem LTRO II schon nächste Woche loswerden. Die Deutsche Bank, die sich mit zehn Milliarden Euro eingedeckt hatte, will sich dagegen scheibchenweise vom Geld der Zentralbank trennen.

Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Nagel warnte im Gespräch mit Reuters davor, die Krise trotz der Entspannung bei zahlreichen Banken für beendet zu erklären. Für ihn ist der Grad der Überschussliquidität im Finanzsystem, der mit den jetzt laufenden Rückzahlungen sinkt, ein wichtiger Indikator - und zwar für den Zeitpunkt, ab dem die EZB beginnen sollte, ihre Rundumversorgung für Banken und die anderen Krisenmaßnahmen zurückzufahren: "Wenn die Überschussliquidität im Bankensystem deutlich zurückgeht, dann wäre es an der Zeit, sich über einen Ausstieg aus den krisenbedingten Sondermaßnahmen Gedanken zu machen."

EZB-Präsident Mario Draghi hatte erst kürzlich erklärt, er erwarte, dass trotz der Sondertilgungen die Überschussliquidität im europäischern Bankensystem vorerst weit über 200 Milliarden Euro bleiben werde. Dieser von der EZB geschätzte Bedarf bestätigt laut Draghi die weitere Notwendigkeit einer lockeren Geldpolitik mit niedrigsten Zinsen und einer allumfassenden Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken. Derzeit liegt der Leitzins bei lediglich 0,75 Prozent. Bei den wöchentlichen Refinanzierungsgeschäften gibt die EZB den Banken zudem so viel Geld, wie diese wollen. Vor der Krise hatte sie die Summe begrenzt und die Institute damit an der kurzen Leine geführt.

 
The construction site of the new headquarters of the European Central Bank (ECB) (C) is seen in front of the city's skyline with its banking towers, in Frankfurt, late October 11, 2012. REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY - Tags: BUSINESS CITYSPACE) - RTR3916Y