Mersch (EZB): Notenbanken sollten Notfall-Geldspritzen dosieren

Mittwoch, 27. Februar 2013, 17:47 Uhr
 

Frankfurt/Berlin (Reuters) - EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch hat vor Gefahren durch eine Überdosierung der Notfall-Geldspritzen nationaler Notenbanken für Banken gewarnt.

Mersch verwies am Mittwoch auf dem Finanzplatztag in Frankfurt darauf, dass es in der Krise zu einem verstärkten Einsatz der Notfall-Liquiditätshilfen der nationalen Zentralbanken (ELA) gekommen ist. Zwar würden diese auf "eigene Rechnung und Risiko" der nationalen Zentralbanken vergeben. "Aber es werden geldpolitische Spannungen zwischen nationaler und europäischer Ebene aufgebaut, die nicht von Dauer sein sollten", mahnte Mersch. Eine re-nationalisierte geldpolitische Architektur wäre "nicht zielführend". ELA-Hilfen werden nur in extremen Krisensituationen vergeben. Damit sind unter anderem Banken in den von EU und IWF vor der Pleite bewahrten Staaten Irland und Griechenland über Wasser gehalten worden.

Zugleich wies Mersch darauf hin, dass die Europäische Zentralbank in ihrer künftigen Rolle als Bankenaufseherin bei der Vergabe von ELA noch strenger hinsehen werde. Die EZB werde alles daran setzen, in ihrer Aufsichtsfunktion konsequent und strikt zu handeln: "Schließlich wollen wir unsere eigene Bilanz nicht überstrapazieren und die Risiken, die wir eingehen, unter Kontrolle halten." Sie wolle auf jeden Fall verhindern, dass sachfremde Probleme wie der Zustand des Bankensektors die Geldpolitik bestimmten. "Dies ist insbesondere im Zusammenhang mit unserer Notfallliquiditätshilfe, der Emergency Liquidity Assistance (ELA), von Bedeutung, bei der eine fundierte und verlässliche Solvabilitätsbewertung die Grundlage für die Bereitstellung der entsprechenden Mittel bildet. In Zukunft kämen "solche Bewertungen gewissermaßen aus dem eigenen Haus", betonte der luxemburgische Geldpolitiker.

Bevor ELA-Hilfen fließen, muss die EZB grünes Licht geben. Der Zinssatz für die ELA-Gelder liegt jedoch stets um einiges höher als der Leitzins, den die Banken in normalen Zeiten berappen müssen. Wie hoch genau, ist Geheimsache. Auch für die Nothilfe müssen die Banken Sicherheiten bei ihrer Zentralbank hinterlegen - allerdings sind diese Papiere typischerweise von minderer Qualität als bei Geschäften mit der EZB.