Preisdruck so niedrig wie seit Ende 2010 nicht mehr

Donnerstag, 28. Februar 2013, 14:51 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Preisauftrieb in Deutschland ist im Februar so niedrig ausgefallen wie seit über zwei Jahren nicht mehr.

Waren und Dienstleistungen kosteten im Februar nur noch 1,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Dies ist der niedrigste Wert seit Dezember 2010. Von Reuters befragte Fachleute hatten mit 1,6 Prozent gerechnet, nachdem es im Januar noch 1,7 Prozent waren. Für den Rückgang sorgten der Wegfall der Praxisgebühr und billigeres Heizöl. Als Preistreiber erwiesen sich dagegen Strom und Nahrungsmittel, die mit einem Plus von mehr als drei Prozent das Portemonnaie der Verbraucher überdurchschnittlich belasteten.

Zugleich mussten die Bundesbürger vielerorts deutlich mehr für ihren Strom ausgeben als noch im vorigen Jahr. In Nordrhein-Westfalen zogen diese Preise im Vergleich zum Februar 2012 um satte 10,9 Prozent an. Diese Mehrkosten sind auch wegen der Umlageerhöhung im Zuge des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) recht deftig ausgefallen: "Insgesamt wurde hierdurch aber kein spürbarer Preisauftrieb ausgelöst, da andere Komponenten des Warenkorbes geringere Teuerungsraten aufweisen", sagte Ökonom Stefan Kipar von der BayernLB. So habe allein der Wegfall der Praxisgebühr zu Jahresbeginn die Teuerungsrate um etwa 0,2 Prozentpunkte verringert. Weniger als im Vorjahr mussten die Bürger vielerorts auch fürs Heizen der eigenen vier Wände mit Öl aufwenden: Die Preise sanken zwischen Rhein und Ruhr um 2,6 Prozent. In Bayern verbilligte sich Heizöl sogar um 6,1 Prozent.

PAUSCHALREISE TEURER

Im Ferienmonat Februar kam es zugleich zu den saisonüblichen Preiserhöhungen bei Pauschalreisen: In Brandenburg beispielsweise zogen die Kosten dafür zum Vormonat um elf Prozent an. Auch der Wechsel auf die Frühjahrskollektion führte dort zu Preiserhöhungen für Bekleidung: Im Monatsvergleich ergab sich ein Plus von 1,3 Prozent.

Trotz dieser saisonal bedingten Preistreiber dürfte die Teuerungsrate in Deutschland unter dem Niveau in der Euro-Zone liegen: Für die am Freitag anstehenden Daten aus Brüssel erwarten Fachleute ein Plus von 1,9 Prozent. Dies können die Hüter des Euro mit Gelassenheit sehen: Die EZB kommt am Donnerstag nächster Woche zu ihrer nächsten Sitzung zusammen, für die Experten keine Änderung des bereits historisch niedrigen Leitzinses von 0,75 Prozent erwarten. EZB-Chef Mario Draghi machte jüngst deutlich, dass die Zentralbank an der lockeren Geldpolitik festhalten werde. Sie sei weiter konjunkturstimulierend und die EZB weit davon entfernt, an eine Abkehr von dieser Linie zu denken.