US-Wirtschaft schafft Ende 2012 nur Mini-Wachstum

Donnerstag, 28. Februar 2013, 16:15 Uhr
 

Washington (Reuters) - Plus statt Minus: Die US-Wirtschaft ist im vierten Quartal 2012 doch nicht geschrumpft.

Allerdings reichte es nur zu einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent, teilte das Handelsministerium am Donnerstag in Washington mit. Es korrigierte damit seine Schätzung von Ende Januar, die noch einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von 0,1 Prozent ergeben hatte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten ein Wachstum mit einer Jahresrate von 0,5 Prozent erwartet, nachdem es im dritten Quartal noch ein Plus von 3,1 Prozent gegeben hatte.

Grund für das langsamste Wachstum seit fast zwei Jahren sind unter anderem geringere Rüstungsausgaben. Denn die unter Sparzwang stehende Regierung strich diese um 22 Prozent zusammen. Wegen der Schuldenkrise in Europa fielen zudem die Exporte um 3,9 Prozent - damit aber nicht so stark wie zunächst gedacht. Dagegen stiegen die Konsumausgaben der Amerikaner um 2,1 Prozent. Der private Verbrauch macht etwa 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung aus. Außerdem investierten die Unternehmen wieder mehr.

HAUSHALTSSTREIT ALS DAMOKLESSCHWERT

Die weltgrößte Volkswirtschaft schaffte 2012 insgesamt ein Wachstum von 2,2 Prozent. Deutschland gelang dagegen nur ein Plus von 0,7 Prozent. Der Internationale Währungsfonds rechnet für 2013 in Amerika mit einem Wachstum von 2,0 Prozent. US-Notenbankchef Ben Bernanke hat weitere Hilfen geplant - zumal wegen des Haushaltsstreits Rückschläge drohen. Einigen sich Präsident Barack Obama und seine Demokraten nicht noch in letzter Minute mit den Republikanern, drohen ab Freitag automatische Haushaltskürzungen von 85 Milliarden Dollar.

Wie gravierend die Folgen tatsächlich sein werden, ist jedoch umstritten. Die Amerikaner müssen sich in jedem Fall auf erhebliche Einschränkungen in zahlreichen Bereichen des öffentlichen Lebens einstellen: Viele Staatsbedienstete wie Fluglotsen und Nationalpark-Ranger müssen wohl beurlaubt werden. Es drohen lange Warteschlangen an Flughäfen und bei den Behörden. Das Verteidigungsministerium will die meisten seiner 800.000 Zivilangestellten befristet in unbezahlten Urlaub schicken und die Wartung von Kriegsschiffen und Flugzeugen aufschieben.