Der Aufschwung naht - Verbraucher in Kauflaune

Freitag, 24. Mai 2013, 15:22 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Nach dem holprigen Start ins Jahr kommt die deutsche Wirtschaft zusehends wieder auf die Beine. Die Stimmung der Manager hellte sich im Mai deutlicher als erwartet auf, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Ifo-Geschäftsklima hervorgeht. Das als Seismograph für die Gesamtwirtschaft viel beachtete Barometer des Münchner Forschungsinstituts war zuvor zwei Mal in Folge gefallen. "Die deutsche Konjunktur behauptet sich in einem schwierigen europäischen Umfeld", sagte Ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Und die Verbraucher sind in Kauflaune wie seit Jahren nicht mehr. Der intakte Arbeitsmarkt, gute Tarifabschlüsse sowie eine sinkende Inflation stützten die gute Stimmung. Zu Jahresbeginn haben die Konsumenten die maue Wirtschaft vor einer Rezession bewahrt, nun könnten sie sogar für einen Aufschwung sorgen.

Die Wirtschaft werde im zweiten Quartal das Mini-Wachstum vom Jahresanfang in Höhe von 0,1 Prozent klar übertreffen, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe zu Reuters. Die Auftragsbücher der Unternehmen seien gut gefüllt. Zuletzt hatte auch die Industrieproduktion kräftig angezogen und damit ein Signal für einen Aufschwung geliefert. Sinkende Investitionen und Exporte sowie witterungsbedingte Behinderungen am Bau hatten die Wirtschaft im ersten Quartal an den Rand einer Rezession gebracht. Experten zeigten sich nun positiv überrascht, dass der Ifo-Index um 1,3 auf 105,7 Punkte stieg und sich die Stimmung unter den befragten 7000 Managern weit stärker aufhellte aus erwartet.

"Die Konjunktur fängt sich, und das liegt nicht nur am Wetter. Die Unternehmen machen bessere Geschäfte", sagte DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann. Das Geschäftsklima verbesserte sich in der Industrie spürbar. Auch bei den Dienstleistern sowie im Groß- und Einzelhandel zeigte das Barometer nach oben. "Die Stimmung bei den Händlern ist mit Blick auf 2013 gut", sagte Kai Falk vom Einzelhandelsverband HDE. "Die Händler sind verhalten optimistisch, weil die Rahmenbedingungen stimmen."

ES FEHLT AN INVESTITIONEN

Die Unternehmer schätzen die Aussichten für die kommenden sechs Monate genauso ein wie im Vormonat. "Das ist ein Wermutstropfen", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. "Um die Erholung auf sichere Beine zu stellen, müssen die Erwartungen anziehen, denn an ihnen hängen auch die Investitionen." Hier hakte es zum Jahresauftakt noch gewaltig. Die Unternehmen hielten sich angesichts der ungewissen Entwicklung auf wichtigen Exportmärkten mit Investitionen zurück: Sie gaben 0,6 Prozent weniger für Maschinen, Geräte und andere Ausrüstungen aus, wie aus den vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Detail-Daten zum Bruttoinlandsprodukt für Januar bis März hervorgeht. Am Bau wurde 2,1 Prozent weniger investiert.

Allerdings behinderte der lange Winter viele Baustellen wochenlang. Im Frühjahr haben die Arbeiter nun wieder alle Hände voll zu tun: "Die Bautätigkeit hat sich immens gesteigert. Die Geräteauslastung ist um sechs Prozentpunkte gestiegen. Man fängt an, die aufgestauten Aufträge abzuarbeiten", so Ifo-Experte Wohlrabe. Eine weitere Stütze sei der Konsum - die Verbraucher deckten sich nun für die wärmere Jahreszeit ein: "Alles, was mit gutem Wetter zu tun hat, läuft: so auch Baumarkt-Artikel, Fahrräder und Kleidung."

VERBRAUCHER LEISTEN SICH WIEDER ETWAS

Der GfK-Index für das Konsumklima steigt im Juni unterdessen auf 6,5 Punkte, wie der Nürnberger Marktforscher zu seiner Umfrage unter 2000 Verbrauchern mitteilte. "Das ist der höchste Wert seit September 2007", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Trotz der Rezession in der Euro-Zone sei der Optimismus der Deutschen ungebrochen. Das zeigt sich auch bei der Neigung, teurere Güter wie etwa Möbel oder Fernseher anzuschaffen. Das entsprechende Barometer legte um 0,1 Punkte zu und weist nun 37,7 Punkte auf. Dies ist der höchste Wert seit März 2012. "Aufgrund des hohen und stabilen Beschäftigungsniveaus haben die Verbraucher kaum Angst davor, ihren Job zu verlieren", so Bürkl. "Dies sorgt für hohe Planungssicherheit, was gerade für größere Anschaffungen eine wichtige Voraussetzung ist."

 
Organic vegetables are pictured in an organic supermarket in Berlin, January 31, 2013. Picture taken January 31. REUTERS/Fabrizio Bensch