G8 besorgt über Ölpreis - Wechselkurse thematisiert
Toyako, 8.Jul (Reuters) - Die sieben führenden Industrieländer und Russland (G8) haben sich besorgt über die Gefahren für die Weltwirtschaft durch die hohen Öl- und Nahrungsmittelpreise gezeigt.
Auch die internationale Finanzkrise sei trotz mancher Entspannungen in den letzten Wochen noch nicht ausgestanden, erklärten die Staats- und Regierungschefs der G8 bei ihrem Gipfel im japanischen Toyako am Dienstag. Es gebe weiterhin ernste ungelöste Probleme. Zudem sprachen die G8-Spitzenvertreter in ihrer Erklärung überraschend das Thema Wechselkurse ausdrücklich an und forderten China indirekt zu einer Aufwertung seiner Landeswährung Yuan auf.
Die Weltwirtschaft ist nach Einschätzung der G8 derzeit gekennzeichnet von vielen Unsicherheiten und Risiken. Man beurteile aber die langfristige Widerstandsfähigkeit der Weltwirtschaft und ihre Chancen positiv. Zu den besonderen Gefährdungen für Wachstum und Beschäftigung in der Welt zählten insbesondere die dramatisch gestiegenen Öl- und Nahrungsmittelpreise. Diese Entwicklung sehe man mit "großer Sorge". Sie stelle eine ernste Gefahr für das weltweite Wachstum dar und gehe mit Inflationsdruck einher. "Wir sind entschlossen, dagegen kontinuierlich und angemessen vorzugehen, gemeinsam wie auf nationaler Ebene", versicherten die G8.
Die Gipfelteilnehmer unterstrichen, es gebe eine gemeinsame Verantwortung der Förder- und der Verbraucherländer zur Eindämmung des Energiepreis-Anstieges. Konzertierte Aktionen seien nötig. Dazu gehörten eine Erhöhung der Ölförderung, mehr Investitionen in Infrastruktur und Verarbeitung sowie mehr Transparenz an den Märkten. Zudem müsse auf der Nachfrageseite mehr für das Energiesparen und eine höhere Effizienz bei der Nutzung getan werden. Alle müssten zusammenarbeiten, um weltweite Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Beim Thema Wechselkurse appellierten die G8 an Schwellenländer mit großen und wachsenden Leistungsbilanzüberschüssen, mehr Bewegungen bei ihren Währungen zuzulassen. Dies sei nötig, um zur Behebung der bestehenden Ungleichgewichte im Finanzsystem beizutragen. China wird zwar nicht direkt als Adressat genannt, doch richtet sich dieser Appell offensichtlich vorrangig an aufstrebende Länder in Asien, die ihre Währungen an den Dollarkurs gekoppelt haben. Dieser Teil der Erklärung kam überraschend, weil es in deutschen Regierungskreisen im Vorfeld des Gipfels geheißen hatte, das Thema Wechselkurse werde zwar diskutiert werden, sich aber nicht in Dokumenten niederschlagen.
Mit Blick auf die Krise an den Finanzmärkten plädierten die G8-Staats- und Regierungschefs für eine rasche Umsetzung der Empfehlungen des Forums für Finanzstabilität (FSF). Dazu gehören die schnelle und umfassende Offenlegung aller Risiken bei Finanzinstituten, ein besseres Risikomanagement und stärkeres Risikobewusstsein bei Banken, mehr Aufsicht, neue Standards und die Überprüfung der Rolle der Rating-Agenturen.
Darüber hinaus sprachen sich die G8 für offene Märkte und einen freien Invesitionsfluss aus. Sie appellierten an alle Beteiligten, einen Erfolg bei den seit Jahren andauernden WTO-Gesprächen über den Abbau von Handelshürden möglich zu machen. Die Globalisierung biete gerade den Entwicklungsländern große Chancen, betonten die G8-Staaten. Zugleich warnten sie vor Protektionismus. Dies müsse auch für die viel kritisierten Staatsfonds gelten. Zu begrüßen seien jedoch Bemühungen um mehr Transparenz bei diesen Fonds.
Den vor einem Jahr beim Gipfel in Heiligendamm gestarteten Prozess eines permanenten Dialogs mit den großen Schwellenländern über wichtige Fragen wollen die G8 fortführen. Dieser Prozess gilt als Alternative zur oft diskutierten Erweiterung der G8 um große Schwellenländer, namentlich China und Indien. Für seine solche Erweiterung gibt es aber nach Angaben aus der deutschen Delegation derzeit keine Mehrheit.
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