EZB will Preis-Lohn-Spirale im Keim ersticken

Donnerstag, 17. Januar 2008, 11:35 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Bereitschaft bekräftigt, eine Lohn-Preis-Spirale schon im Keim zu ersticken.

"Der EZB-Rat ist nach wie vor bereit, präventiv zu handeln, damit Zweitrundeneffekte ausbleiben und Risiken für die Preisstabilität auf mittlere Sicht nicht zum Tragen kommen", hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht der Notenbank. Sie unterstrich damit die Haltung ihres Präsidenten Jean-Claude Trichet, notfalls die Zinsen zu erhöhen. Das zuletzt kräftige Geldmengen- und Kreditwachstum zeige, dass die Preisstabilität mittelfristig Aufwärtsrisiken unterliege.

Wegen der Kreditkrise an den globalen Märkten und ihrer nach wie vor unabsehbaren Folgen für die Realwirtschaft seien die Konjunkturaussichten unsicher, schrieb die EZB. Allerdings sei derzeit davon auszugehen, dass das reale Wirtschaftswachstum dem trendmäßigen Potenzial entspreche. Der EZB-Rat werde auch zukünftig alle Entwicklungen sehr genau verfolgen.

Auch Österreichs Notenbankgouverneur Klaus Liebscher warnte vor einer Lohn-Preis-Spirale. Es gehe jetzt vor allem darum, ein Übergreifen der hohen Energie- und Nahrungsmittelpreise auf andere Preise und auf die Löhne zu vermeiden. "Das Euro-System wird alles ihm zu Gebote stehende tun, um dies zu verhindern", sagte das EZB-Ratsmitglied der Zeitung "Österreich".

Ebenso wie zuletzt Trichet und Bundesbankchef Axel Weber forderte Liebscher die Tarifparteien auf, nicht mit überzogenen Lohnabschlüssen die Inflation weiter anzuheizen. Unternehmen und Gewerkschaften seien aufgefordert, "zur Erhaltung unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit Preis- und Lohnzurückhaltung zu üben".

Allerdings scheint die Neigung innerhalb des EZB-Rates abzunehmen, die Teuerung notfalls mit Zinserhöhungen im Zaum zu halten und dafür eine Konjunkturabkühlung in Kauf zu nehmen . Am Mittwoch hatte Ratsmitglied Yves Mersch in einem Interview die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dass die Notenbank ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr senken könnte und damit den Euro auf Talfahrt geschickt. Der luxemburgische Zentralbankchef fürchtet, dass die weltweite Finanzkrise auf andere Teile der Wirtschaft überschwappt.

Trichet bekräftigte unterdessen am Mittwochabend vor Journalisten, die EZB gehe nach wie vor davon aus, dass die Wirtschaft in der Euro-Zone in diesem Jahr ungefähr mit ihrer Potenzialrate wachsen werde. An der in der vergangenen Woche geäußerten Haltung der Notenbank habe sich nichts geändert. Die EZB hatte den Leitzins vergangenen Donnerstag bei vier Prozent belassen.