Erzeugerpreise steigen so schnell wie zuletzt 1982

Freitag, 18. Juli 2008, 15:11 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Den Verbrauchern droht auch im Sommer eine Teuerungswelle.

Die Erzeuger von Energie, Nahrungsmitteln und anderen gewerblichen Produkten hoben ihre Preise im Juni so kräftig an wie seit über 26 Jahren nicht mehr. Die Produzentenpreise stiegen überraschend deutlich um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Das ist die höchste Teuerungsrate seit März 1982 mit 7,2 Prozent. Im Mai hatte sie 6,0 Prozent betragen. Die Erzeugerpreise gelten als Indikator für die künftige Inflationsentwicklung: Der Handel reicht höhere Einkaufskosten teilweise an die Verbraucher weiter.

Das Münchner Ifo-Institut und Bankenökonomen erwarten deshalb, dass die Inflationsrate in den Sommermonaten auf etwa 3,5 Prozent steigt. Das wäre der höchste Stand seit knapp 15 Jahren. "Kurzfristig ist eine Entspannung bei den Verbraucherpreisen nicht in Sicht", sagte Postbank-Experte Heinrich Bayer. Im Juni hatte die Inflationsrate mit 3,3 Prozent den höchsten Stand seit Ende 1993 erreicht. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet gegen Jahresende deutlich niedrigere Werte. "Ende 2009 könnten die Teuerungsrate dann wieder unter zwei Prozent sinken", sagte DIW-Experte Stefan Kooths.

Größter Preistreiber bei den Erzeugern war erneut Energie. Sie verteuerte sich um durchschnittlich 17,9 Prozent im Vergleich zum Juni 2007. Dabei zogen die Preise für Heizöl um rund 65 Prozent an, für Diesel um 30,8 Prozent und für Benzin um 11,0 Prozent. Erdgas kostete 14,6 und Strom 15,6 Prozent mehr. Ohne den Energiebereich hätte die Teuerungsrate nur 3,0 Prozent betragen.

Viele Nahrungsmittel verteuerten sich ebenfalls kräftig. Milch und Milcherzeugnisse kosteten 11,8 Prozent mehr. Bei pflanzlichen und tierischen Ölen und Fetten gab es ein Plus von 48,5 Prozent. Für Fleisch wurde 10,9 Prozent mehr verlangt, für Backwaren 7,8 Prozent sowie für Mehl, Reis und Getreide 26,6 Prozent mehr. Die Düngerpreise zogen um 79,3 Prozent an.