Britischer Notenbanker warnt vor Rezession

Montag, 21. Juli 2008, 13:19 Uhr
 

London (Reuters) - Der britische Notenbanker David Blanchflower hat vor einer schweren Wirtschaftskrise in Großbritannien gewarnt.

"Ich denke, wir bewegen uns auf eine Rezession hin und stecken wahrscheinlich jetzt schon darin", sagte Blanchflower in einem Interview der Zeitung "Guardian", das am Montag veröffentlicht wurde. Die Wirtschaft werde vermutlich drei oder vier Quartale schrumpfen. Dabei bestehe sogar das Risiko, dass sich der Abschwung noch vertiefe. Auf Großbritannien könnten dabei noch größere Probleme zukommen als auf die USA. Beide Länder stünden vor den "größten Schwierigkeiten seit der Großen Depression" der 1930er Jahre.

Die Finanzkrise, die ihren Ausgangspunkt am US-Hypothekenmarkt hatte, hat Großbritannien schwer in Mitleidenschaft gezogen. Dazu kommt eine Immobilienkrise. Die Preise für Wohnungen und Häuser könnten um bis zu ein Drittel fallen, sagte Blanchflower. Der jüngste Anstieg der Arbeitslosigkeit sei nur die "Spitze des Eisberges". Ein Stellenabbau in der Baubranche falle mit Entlassungen bei Banken und Einzelhändlern zusammen. Erst kürzlich hatte Notenbank-Vize John Gieve eine Rezession nicht ausschließen wollen. Seiner Ansicht nach ist es in jedem Fall noch ein langer Weg bis zum Ende des aktuellen Abschwungs.

Blanchflower forderte Zinssenkungen, um das Wachstum zu stützen. Sorgen vor einer anhaltend hohen Inflation wischte er beiseite. Die Teuerungsraten könnten stark abfallen. Dabei müsse die Bank von England hinter die kurzfristigen Schocks blicken, die durch den Preisanstieg bei Öl und Lebensmitteln ausgelöst würden, sagte Blanchflower. Im Mai lag die Teuerungsrate mit 3,3 Prozent so hoch wie noch nie seit 1997, als die Bank von England die Hoheit über die Geldpolitik in Großbritannien übernommen hat. Allerdings war Blanchflower der einzige Notenbanker, der bei den Zinssitzungen im Mai und Juni für niedrigere Zinsen plädiert hatte. Das Protokoll für die Juli-Sitzung wird am Mittwoch veröffentlicht. Die Bank von England hat ihren Leitzins dabei unverändert bei fünf Prozent belassen.