Industrie im Mai mit sechstem Auftragsminus in Folge

Freitag, 4. Juli 2008, 15:20 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Wegen der schleppenden Nachfrage auf ihrem Heimatmarkt hat die deutsche Industrie im Mai das sechste Auftragsminus in Folge verzeichnet.

Die Bestellungen sanken preis- und saisonbereinigt um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Wirtschaftsministerium am Freitag in Berlin mitteilte. Das Neugeschäft hat damit seit Dezember 2007 kontinuierlich abgenommen. Eine ähnlich lange Durststrecke gab es zuletzt 1992. "Das ist eine deutliche Abkühlung, aber die Auftragsbücher sind immer noch nicht ausgedünnt", sagte der Konjunkturexperte des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Matthias Krämer. Die Industrie bleibe die wichtigste Konjunkturstütze.

Grund für den unerwarteten Rückgang war das stockende Deutschland-Geschäft. Hier schrumpfte die Nachfrage um 2,7 Prozent, weil der Bedarf an Maschinen, Anlagen und anderen Investitionsgütern stark nachließ. Aus steuerlichen Gründen zogen offenbar viele Unternehmen größere Investitionen auf 2007 vor, hieß es. Die Bestellungen aus dem Ausland nahmen dagegen um 0,8 Prozent zu. Wegen der spürbaren Konjunkturabkühlung bei wichtigen Handelspartnern wie den USA, Frankreich, Spanien und Italien zeichnen sich aber auch hier schlechtere Zeiten ab. "Das Exportumfeld wird schwieriger", sagte BDI-Experte Krämer.

KEINE TRENDWENDE IN SICHT

Analysten halten den jahrelangen Industrieboom vorerst für beendet. "Man muss sogar befürchten, dass der Abwärtstrend in den kommenden Monaten anhält", sagte Commerzbank-Ökonom Matthias Rubisch. Die Unternehmen dürften deshalb ihre Produktion weiter drosseln, sagte Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort. Darunter habe das Wirtschaftswachstum schon im Frühjahr gelitten. Es sei voraussichtlich zum ersten Mal seit 2004 gesunken. Die offiziellen Daten zum Bruttoinlandsprodukt werden im August veröffentlicht.

Innerhalb der Industriesparten verzeichneten die Hersteller von Investitionsgütern mit 4,9 Prozent das größte Minus. Die Hersteller von Konsumgütern zogen 0,6 Prozent weniger Aufträge an Land. Gegen den Abwärtstrend stemmten sich die Produzenten von Vorleistungsgütern. Sie meldeten einen Zuwachs von 4,6 Prozent.