Rezessionssignale in Irland mehren sich
Dublin (Reuters) - Die Anzeichen für eine bevorstehende Rezession in Irland mehren sich. Im Juni waren so viele Menschen ohne Lohn und Brot wie seit etwa zehn Jahren nicht mehr.
Zudem hätten sich seit Beginn der Erhebungen 1967 nur einmal mehr Männer und Frauen arbeitslos gemeldet, teilte die zuständige Behörde am Freitag mit. Die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen stieg um 10.100 auf 217.400. Das sei der stärkste Anstieg seit der ersten Jahreshälfte 1975, als die Nachwirkungen des Ölschocks die Wirtschaft lähmten, sagte Rossa White, Chefvolkswirtin beim Handelshaus Davy.
Zwar liegt die Arbeitslosenquote nach Angaben des Statistikamts mit 5,7 Prozent immer noch deutlich unter dem EU-weiten Durchschnitt. Doch sie steigt rapide; im Mai waren es noch 5,4 Prozent. Irland hatte in den vergangenen Jahren von einer blühenden Immobilienwirtschaft profitiert, die Preise vervierfachten sich seit Ende der 90er Jahre. Doch das ist nun vorbei. Auf der Insel hatte eine Immobilienkrise die Bauwirtschaft schwer getroffen, die etwa zehn Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. Massenentlassungen waren die Folge. Binnen zwölf Monaten stieg die Zahl derer, die Unterstützung beantragt haben, um rund ein Drittel.
Zuletzt fielen auch einige andere Konjunkturdaten schlecht aus. So sind die Verbraucher so pessimistisch wie nie seit Einführung einer entsprechenden Umfrage vor zwölf Jahren, der Dienstleistungssektor kühlt sich mit der schnellsten Rate seit acht Jahren ab, die Industrie meldet den achten Rückgang in Folge. Im ersten Quartal schrumpfte die Wirtschaft um 1,5 Prozent. Die Regierung senkte daraufhin ihre Wachstumsprognose auf nur noch 0,5 Prozent. Zahlreiche Volkswirte sehen Irland, das wegen seines kräftigen Wachstums als "keltischer Tiger" bezeichnet wurde, nun auf dem Weg zur ersten Rezession seit 1983.
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