Teuerung im Großhandel im April nahe am 26-Jahres-Hoch
Berlin (Reuters) - Die Verbraucher müssen sich nach einem Teuerungsschub im Großhandel auf steigende Preise einstellen.
Die Händler hoben ihre Preise im April überraschend stark um 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Damit lag der Anstieg nur leicht unter dem im März erreichten 26-Jahres-Hoch von 7,1 Prozent. Vor allem Energie, Lebensmittel und Rohstoffe kosteten deutlich mehr. Für den Rest des Jahres sei kaum mit einer Entspannung zu rechnen, sagte der Sprecher des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA), Andre Schwarz.
Wegen des scharfen Wettbewerbsdrucks bekommen die Verbraucher die Teuerung im Großhandel aber nicht im vollen Umfang zu spüren. Viele Kaufhäuser, Versandhändler oder Fachgeschäfte können nur einen Teil der Mehrkosten weiterreichen. Der Branchenverband HDE erwartet, dass die Einzelhändler in diesem Jahr ihre Preise um etwa zwei Prozent anheben. 2007 lag der Preisanstieg bei 1,7 Prozent.
Deutlich stärker als im Vorjahr schlugen erneut die Lebensmittelpreise zu Buche. Getreide, Saatgut und Futtermittel verteuerten sich um 46,2 Prozent. Eier, Milch, Milchprodukte, Speiseöle und Nahrungsfette wurden 21,5 Prozent teurer, Kaffee, Tee, Gewürze oder Kakao 9,5 Prozent. Im Vergleich zum März gingen die Preise für Agrar-Rohstoffe jedoch zurück. "Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass die Preise etwas stärker schwanken als in der Vergangenheit", sagte Schwarz. Der Rückgang zum März sei kein Anzeichen für eine Trendwende. "Die Zeiten stabiler oder sinkender Lebensmittelpreise sind vorerst vorbei", sagte HDE-Sprecher Hubertus Pellengahr. Allerdings werde der Höhepunkt der Teuerung hier wohl im zweiten Quartal überschritten.
Hinter den steigenden Nahrungsmittelpreisen stehen mehrere Gründe: So ist die Nachfrage auf dem Weltmarkt vor allem mit dem wachsenden Wohlstand in Asien deutlich gestiegen. Immer mehr Menschen wohnen in Städten und können sich nicht mehr im Eigenanbau versorgen. Zudem haben Dürren die Ernte im vergangenen Jahr in einigen Regionen deutlich geschmälert. Seit der zweiten Jahreshälfte 2007 legten deswegen die Preise kräftig zu. In mehreren Ländern Asiens, Afrikas und der Karibik ist es bereits zu Unruhen gekommen. In Haiti wurde sogar die Regierung gestürzt. Internationale Organisationen warnen davor, dass Millionen Menschen in Armut und Hunger abgeleiten könnten.
ENERGIE UND ROHSTOFFE SIND PREISTREIBER
Erneut gehörten auch Energieträger zu den Preistreibern. Für feste Brennstoffe und Mineralölerzeugnisse musste 16,4 Prozent mehr bezahlt werden, zum Vormonat lag das Plus bei 0,6 Prozent. Auch Eisen, Erz, Stahl, Nicht-Eisen-Metalle und deren Halbzeug verteuerten sich zum Vorjahr um sieben und zum Vormonat um 3,9 Prozent. Günstiger wurden dagegen Büroeinrichtungen.
Unter dem Strich verteuerten sich die Großhandelspreise zum Vormonat um 0,6 Prozent und damit deutlich schwächer als im März, als sie noch 1,6 Prozent gestiegen waren. Im vergangenen Jahr lag die Teuerung im Jahresschnitt lediglich bei 3,5 Prozent.
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