Große Eurostaaten drosseln Produktion im Mai im Gleichschritt

Donnerstag, 10. Juli 2008, 13:27 Uhr
 

Paris/Rom (Reuters) - Die Industrie in den großen Euroländern hat ihre Produktion im Mai überraschend kräftig zurückgefahren und damit Konjunktursorgen genährt.

In Frankreich ging der Ausstoß zum Vormonat um 2,6 Prozent zurück, wie das Statistikamt Insee am Donnerstag mitteilte. Einen derart starken Rückgang hatten von Reuters befragte Experten nicht erwartet. In Italien wurde ebenfalls weniger produziert: Zum April ging der Ausstoß um 1,4 Prozent und damit mehr als doppelt so stark zurück wie erwartet. Auch die deutsche und die spanische Wirtschaft hatten im Mai die Produktion kräftig gedrosselt.

Experten machen unter anderem Kalendereffekte für den Abwärtstrend verantwortlich, sehen jedoch Abschwungssignale: "Das sind klare Anzeichen dafür, dass die europäische Wirtschaft sehr schnell an Fahrt verliert", sagte Ökonom Oscar Bernal von Global Economics in Brüssel.

Auf dem Heimatmarkt von PSA Peugeot Citroen und Renault fuhren die Automobilhersteller die Produktion im Mai um acht Prozent zurück. Auch der Energiesektor drosselte den Ausstoß kräftig um knapp fünf Prozent. Fachleute sehen nach den schwachen Daten nun auch trübe Aussichten für das gesamte zweite Quartal: "Das Verarbeitende Gewerbe wird im zweiten Quartal einen markanten Produktionsrückgang verzeichnen. Ferner wird die Wachstumsrate sehr schwach ausfallen", prognostiziert Volkswirt Dominique Barbet von BNP Paribas.

Auch in Italien lässt der kräftige Produktionsrückgang im Mai aufhorchen: Derart stark war der Ausstoß zum Vormonat seit September 2007 nicht mehr zurückgegangen. Die Fertigung von Verbrauchs- und Investitionsgüter war um rund 3 Prozent rückläufig. Im Bereich Energie ging es mit 3,7 Prozent noch stärker nach unten.

Anfang der Woche hatte auch Deutschland mit überraschend schwachen Produktionszahlen für neue Konjunktursorgen in der Euro-Zone gesorgt. Das Verarbeitende Gewerbe drosselte seine Produktion im Mai so stark wie seit über zehn Jahren nicht mehr. Die Unternehmen stellten preis- und saisonbereinigt 2,4 Prozent weniger her als im April. Dabei dürften auch Kalendereffekte eine Rolle gespielt haben: Zwei Feiertage fielen auf einen Donnerstag, weshalb viele Betriebe gleich noch am anschließenden Freitag schlossen.