Pfaffenbach sieht Wirtschaftslage als G-8-Großthema

Mittwoch, 2. April 2008, 07:07 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Entwicklung der weltweiten Wirtschaft dürfte nach Einschätzung des deutschen Gipfel-Chefvorbereiters (Sherpas) Bernd Pfaffenbach angesichts der Finanzkrise den G8-Gipfel in Japan dominieren.

"Das Weltwirtschafts-Thema wird aus meiner Sicht das wichtigste", sagte Pfaffenbach am Dienstag in Berlin. "Ich sehe keine Möglichkeit für Japan, das weltwirtschaftliche Thema nicht stark zu fahren." Damit dürften konkrete Aussagen etwa zu den Handlungsmöglichkeiten der einzelnen Länder getroffen werden. Klar sei jedenfalls, dass in den USA die Finanzkrise bereits auf die Realwirtschaft übergegriffen habe und sich dort eine Rezession abzeichne.

Ob die Gegenmaßnahmen in den USA, wie die Zinssenkungen der US-Notenbank Fed und das Konjunkturprogramm von mehr als 150 Milliarden Dollar, greifen werden, vermöge er nicht zu sagen, erklärte Pfaffenbach. Er gab aber zu bedenken, dass das Programm ein "Schuldenpaket" sei, das die US-Staatsverschuldung nach oben treibe. Die Hoffnung, dass es zu 80 Prozent dem Konsum zugutekommen werde, halte er für "eine sehr gewagte Erwartung". Grundsätzlich unterscheide sich die Grundhaltung in den USA zum Thema Verschuldung von der in Deutschland, gerade auch im privaten Bereich.

Dass die Europäische Zentralbank (EZB) anders als die US-Notenbank die Leitzinsen im Zuge der Finanzkrise nicht in jüngster Zeit gesenkt hat, stößt bei Pfaffenbach auf Verständnis. Er verwies auf die ungewohnt hohe Inflationsrate in der Euro-Zone von zuletzt rund drei Prozent und sagte: "Insofern kann ich die EZB verstehen." Er ergänzte aber mit Blick auf das Euro-Dollar-Kursverhältnis: "Gleichwohl ist es eine gewisse Gefahr, wenn ein zu großer Zins-Spread (Zins-Unterschied) entsteht."

Pfaffenbach erneuerte die Absage der deutschen Regierung an eine Erweiterung der G-8 um die wichtigsten Schwellenländer wie China oder Indien. Solche Vorschläge habe es immer wieder aus der Staatengruppe gegeben, zuletzt aus Frankreich. "Wir sind nicht dieser Auffassung", sagte Pfaffenbach. Vielmehr sollte man nach Auffassung der Regierung vorsichtig sein mit jeder Erweiterung. Beziehe man China und das eine oder andere Land in die G-8 mit ein, werde man sich gleich Ansprüchen weiterer Länder gegenübersehen.

Der Gipfel der Staats- und Regierungschefs im Juni in Japan wird nach seinen Worten neben der Weltwirtschaft vor allem von den Themen Klimaschutz und Afrika dominiert werden. Auch Staatsfonds könnten den Gipfel beschäftigen, wobei sich deren Bewertung jüngst weithin ins Positive verändert habe. Pfaffenbach ist der persönliche Beauftragte von Kanzlerin Angela Merkel für die G-8-Gipfel.